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Sonntagsfrühstück, 18.Oktober

Einen wunderschönen guten Morgen!

Wer kann sich an November 1973 noch erinnern? Damals gab es eine ungewöhnliche Sparmaßnahme, die die deutschen Autofahrer dazu zwang ihr Fahrzeug stehenzulassen. Am 25. November trat erstmals das Sonntagsfahrverbot in Kraft.

 

 

Zu Fuß, auf Rollschuhen, mit dem Fahrrad oder hoch zu Ross, so machten sich die Menschen an den vier autofreien Sonntagen im November und Dezember 1973 auf den Weg, spazierten über Autobahnen und Straßen. Hintergrund des Fahrverbots war eine Ölknappheit, ausgelöst durch einen Nahostkonflikt. Die OPEC verhängte ein Ölembargo gegen die USA und ihre Verbündeten um diese zu zwingen, ihre israelfreundliche Haltung aufzugeben. Als Folge des Embargos wurde Öl knapp, der Preis explodierte und den westlichen Industrieländern wurde schlagartig ihre Abhängigkeit vom Öl aus Nahost bewusst. Damit erreichte auch Deutschland eine Ölkrise und die Regierung verordnete vier autofreie Sonntage am 25.11., sowie 2., 9. und 16. Dezember. Außerdem wurde ein sechsmonatiges Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen sowie 80 auf Landstraßen verhängt. Ausnahmen des Sonntagsfahrverbots galten nur für Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Taxifahrer und Ärzte. Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt hatte die schwere Aufgabe den Auto-vernarrten Bürgern der Bundesrepublik Deutschland das Fahrverbot aufzuerlegen.

Ich war damals 18 Jahre alt, hatte voller Stolz meinen Führerschein Mitte November erhalten und verstand die Welt nicht mehr. Ich wollte am freien Sonntag meine schwer erarbeiteten Fahrkünste auskosten, die Freiheit genießen und war endlich nicht mehr auf Eltern angewiesen, um von A nach B zu kommen. Für die Menschen damals und besonders für alle 18-jährigen Autofahrer war das Fahrverbot ein unvergessliches Ereignis. In der Tagespresse konnte man Bilder von leergefegten Straßen und Autobahnen oder Pferdekutschen in der Landeshauptstadt München sehen, doch es gab viel Kritik. So befürchtete die Gastronomie den Bankrott, die Polizei rüstete sich für Großeinsätze und die Politik stritt sich über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme. Wer sich gegen das Fahrverbot stemmte, musste eine Strafe in Höhe von 500 DM zahlen. Die teils berittene Polizei stellte nur wenige Verstöße fest am ersten Sonntag, die Bürger hielten sich an das Fahrverbot und Mitte Dezember ist der Spuk vorbei. Das Öl fließt wieder, die Straßen sind wieder verstopft.

Ein Fahrverbot nach dem Vorbild vom 1973 wäre heutzutage kaum möglich und würde die Lieferketten, die Industrie, den Handel, das Handwerk und den Schichtbetrieb massiv stören. Im Jahr 1973 war die Logistik deutlich weniger auf einen Sonntag fokussiert. Auch besitzen inzwischen viele ein Fahrzeug mit Elektroantrieb. Ein reines Fahrverbot von Verbrenner würde E-Autos nicht betreffen und wäre dann schwer vermittelbar. Das Auto ist für viele im Alltag fest verankert und würde als massiver Eingriff in die persönliche Freiheit gedeutet. Auch 2026 sehen wir die Abhängigkeit vom Öl und plötzlich ist 1973 wieder erstaunlich nah. Vielleicht sollte man an so manchem Sonntag das Auto einfach freiwillig in der Garage stehen lassen. Würde dem Klima und Geldbeutel helfen. 

Wünsche euch einen schönen Sonntag!

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