Es ist die wichtigste Verkehrsader über die Alpen – der Brenner. Zehntausende Fahrzeuge passieren täglich den Brenner, doch am Samstag, 30. Mai wurde auf der österreichischen Seite von 11 bis 19 Uhr für Autos und Motorräder und für LKW von 9 bis 20 Uhr komplett gesperrt. Und auch die Bundesstraßen und Nebenstrecken konnten nicht befahren werden.Schon Wochen vor dieser Sperre wurde ein Verkehrschaos befürchtet, zumal diese Sperre genau am zweiten Pfingstferien Wochenende stattfand. In unserem Landkreis herrschte Alarmstufe drei wegen erheblicher Mehrbelastung auf der Hauptreiseroute Richtung Österreich und Italien. Das Polizeiaufgebot war hoch und BRK rüstete sich für mögliche Hilfeleistungen direkt auf den Autobahnen. Kommt es zu langen Staus, könnte man so die Betroffenen mit Wasser und weiteren Hilfen versorgen. Man werde die Lage ständig beobachten und weitere Maßnahmen würden in Abstimmung mit den Katastrophen Schutzbehörden getroffen.
Und was war – nichts war! Das befürchtete Verkehrschaos blieb aus. Auf Bayerns Straßen Richtung Süden war so wenig los wie selten. Viele Verkehrsteilnehmer hatten sich offenbar an die Warnungen gehalten und ihre Fahrten nach Tirol oder Italien verschoben oder ganz vermieden. Auch am Sonntag, trotz sonnigem Wetter blieb die Lage ganz entspannt und es gab keine Verkehrsbehinderungen.
Doch warum wurde am Brenner gestreikt? Den Menschen im Wipptal geht es um die wachsende Verkehrsflut, sie wollen sich wehren und zwar mit einer Demonstration auf der Autobahn, mitten in den bayerischen Pfingstferien. Viele der 15.000 Bewohner leben in unmittelbarer Nähe der Brenner Autobahn und Bundesstraße. Sie leiden unter Lärm und Feinstaub. Im Jahr 2025 haben fast 11 Millionen Autos die mautpflichtige Autobahn benutzt und dazu kommen noch 2,5 Millionen Lastwagen. „Das ist ein Hilfeschrei des Wipptales, dass es so mit dem Transit nicht mehr weitergehen kann und darf“ meinte der Bürgermeister von Gries am Brenner. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Politik das Problem endlich lösen muss. Die Menschen fordern einen besseren Lärmschutz, außerdem soll das bestehende Nacht- und Wochenend- und Feiertag Fahrverbot für LKW beibehalten werden. Ob den Menschen tatsächlich geholfen wird, ist fraglich. Es gibt noch weitere Alternativen nach Italien, die aber deutlich mühsamer, zeitaufwendiger und ebenfalls überlastet sind. Für den Güterverkehr wird der Brenner Basistunnel gebaut und soll im Jahr 2032 in Betrieb gehen – wenn alles gut geht.