Sonntagsfrühstück, 4. Februar

Einen wunderschönen guten Morgen!

Die Deutschen stehen nach wie vor auf Bargeld, daran hat auch die Pandemie nichts geändert. Doch die Liebe zu Münzen und Scheinen fängt langsam an zu bröckeln. Brauchen wir das noch oder kann das weg??? Kommt bald der digitale Euro und wird Bargeld über kurz oder lang verschwinden?

 

Über Geld spricht man nicht und die Mehrheit der Deutschen hält sich offenbar an dieses alte Sprichwort. Ein Tabuthema, über das man nur im engsten Familienkreis spricht. Für Bargeldfans sind die bunten Scheine ein wenig wie Freiheit – zum Ausgeben, Verschenken, Anfassen und Stapeln, alles geht und niemand schaut uns dabei unter das Kopfkissen. Meine Mutter hat sich am Monatsanfang ihre Rente komplett bar von ihrer Hausbank in 20-Euro-Scheinen auszahlen lassen. Zu Hause angekommen legte sie sich das wöchentliche Budget parat, steckte es in vier Umschläge und meinte, so hätte sie einen besseren Überblick, was sie ausgeben kann und darf. Eine EC-Karte kam für sie nicht in Betracht und für Weihnachten, Geburtstage oder ungeplante Zahlungen gab es einen Umschlag in der Kategorie „Sonstiges“. Wenn ich im Internet bestelle, bevorzuge ich Zahlung auf Rechnung und ist das nicht möglich, verzichte ich gerne auf einen Einkauf. Ich möchte meine Daten der Kreditkarte ungern über das Internet preisgeben. Es dauerte auch eine Zeit bis ich Online-Banking vertraut habe, doch heute möchte ich nicht mehr darauf verzichten.

 

Egal ob Hotelbuchung, an der Tankstelle, Shopping oder der Wocheneinkauf im Supermarkt, der Einsatz von EC- oder Kreditkarte ist heute eine Selbstverständlichkeit, selbst Kleinbeträge werden heute mit Geldkarten bezahlt. Mit kleinen Ausnahmen – bei unserem Dorfbäcker kann man schon an der Eingangstüre lesen, dass Kartenzahlung hier nicht möglich ist. Ein Urlauber hat letzten Sommer daraufhin wütend die Bäckerei verlassen und meinte – was für ein Saftladen. Durch Corona wurden viele Dinge unseres täglichen Lebens digitalisiert, die wir vorher nicht bedacht haben. Plötzlich ist es ganz normal, im Homeoffice zu arbeiten und sich mit Kollegen am Bildschirm auszutauschen. Online Shopping hat sich von Büchern zu Kleidung bis hin zu Lebensmittel und Blumen ausgeweitet. Wir alle werden digitaler und so mancher glaubt, dass wir Scheine und Münzen sowieso bald nicht mehr brauchen. Sie denken an geringere Kosten und Vorteile in der Kriminalitätsbekämpfung. Doch ob die Welt ohne Bares tatsächlich ehrlicher wird, daran kann ich nicht glauben.

Gerade in den nördlichen Staaten Europas mögen Parkuhren keine Münzen mehr und in der Kirche wird mit der App gespendet. Die meisten Zahlungen werden mit Karte abgewickelt – Bargeld spielt in den skandinavischen Ländern kaum noch Bedeutung. Folglich haben Banken kaum noch Bargeldreserven in ihren Filialen und das machte sich in der Kriminalstatistik bemerkbar. 2022 war das erste Jahr, in dem keine einzige Bank in Dänemark ausgeraubt wurde. Sind Skandinavier jetzt Vorreiter oder gar Vorbilder? Auch bei uns klopft die bargeldlose Welt längst an die Türe. Gehälter gibts direkt aufs Konto, Miete und Strom werden per Dauerauftrag abgebucht und selbst das Finanzamt möchte keine Scheinchen oder Münzen mehr. Eine Welt ohne Münzen und Scheine wird es irgendwann auch bei uns geben, auch wenn es gewiss noch eine Zeit dauert. Und ganz ehrlich, ich habe gerne ein paar Münzen in der Geldbörse 🙂

Wünsche euch einen schönen Sonntag!