Sonntagsfrühstück, 10. März

Einen wunderschönen guten Morgen!

Ein Frage die mich diese Woche besonders beschäftigt hat ist, ob die Haustierhaltung in Zukunft Luxus und nur noch reichen Menschen möglich sein wird. Ich war letzte Woche mit Emmi bei unserem Haustierarzt zum allgemeinen Gesundheitscheck. Ich finde Emmi hat über den Winter etwas zugenommen und da wir bei der Fütterung und Bewegung nichts verändert haben wollte ich sicherstellen, dass alles in Ordnung ist. Die Tierärztin musste lachen und meinte alles ok, was mich sehr beruhigt hat.

Schockiert hat ich allerdings als ich beim Warten ein Gespräch mit einer älteren Dame und der Tierarzthelferin mit gehört habe. Die ältere Dame sollte für einen operativen Eingriff bei ihrem kleinen Hund um die 800 EUR bezahlen, was die Dame sichtlich erschüttert hat. 800 EUR für eine kleine Warzen-Entfernung am Augenlid? Kaum zu fassen, dabei war es auf anraten der Tierärztin eine Vorsichtsmaßnahme um einen Augenlid Tumor auszuschliessen. Die Dame hat sich für Ratenzahlung entschieden, denn mit ihrer kleinen Rente könnte sie den Betrag nicht auf einmal begleichen. Die Kosten in der privaten Tierhaltung explodieren im Moment und vielen Menschen sind sich nicht bewusst, dass zu den Anschaffungskosten auch regelmäßige Kosten wie Futter, Tierarzt, Training usw. anfallen.

In der Pferdewelt ist der Aufschrei noch größer! Die Pensionsbetriebe mussten wegen den höheren Energie- und Kosten der Futterherstellung die Preise erhöhen. Richtig schlimm wird es wenn sich ein Problem einstellt, Krankheit, Unverträglichkeit von Futter, Verhaltensauffälligkeit und vieles mehr sind finanzielle Mehrbelastungen die kaum jemand auf dem Schirm hat, wenn man sich für ein Haustier entscheidet. Die Haflingerstute meiner Tochter leidet an Equinem Asthma, was neben einem enormen zeitlichen Aufwand auch mit erheblichen Kosten einhergeht. Tägliches Inhalieren mit Medikamenten, die Fütterung von wichtigen und ergänzenden Mineralien, die Bedampfung vom Grundfutter Heu, Allergiemedikamente und natürlich das tägliche Bewegen ist für sie zur Routine geworden. Für viele ist das jedoch unvorstellbar und hat mit dem Traum vom eigenen Pferd nur noch wenig zu tun. Meine Tochter hat lange überlegt sich nach dem Verlust ihrer Islandstute ein zweites Pferd, am Besten ein Fohlen zu kaufen. Aber mit dem aktuellen Aufwand ist das im Moment keine Frage mehr. Zuviel ist zuviel und man möchte und sollte den Tieren gerecht werden. Keiner kann uns sagen ob Una’s Zustand sich in naher Zukunft noch verschlechtern wird, und was dann? Für uns gilt, wenn man sich für ein Tier entscheidet – dann ohne wenn und aber! Die Verantwortung sich ein Haustier anzuschaffen sollte jedem bewusst sein, daher ist es wichtig sich vorab genau zu überlegen ob man bereit ist die Zeit und Geld für das Tier auf Lebensdauer zu investieren.

Anzuraten wäre auch zu prüfen ob Geld für Notfallbehandlungen zur Verfügung stehen, denn leider lässt sich ein Unfall oder eine Krankheit nicht planen. Mir zerreisst es das Herz zu hören, wie überfüllt die Tierheime in unserer Region sind. Tiere die vor einigen Jahren, besonders in der Corona-Zeit so begehrt waren. In Zeiten in denen ständiges Homeoffice normal war, rufen heute immer mehr Arbeitgeber ihre Mitarbeiter zurück ins Büro. Und was passiert dann mit den Tieren? Die meisten konnten sich gar nicht daran gewöhnen alleine Zuhause zu bleiben – und schon ist der Frust vorprogrammiert und die Probleme häufen sich. Nach dem Tod von unsere Tibet Terrier Hündin Lilly haben wir viel und lange diskutiert ob wir uns nochmal einen Hund anschaffen. Für meine Tochter keine Frage, ich hatte aber schon damals große Bedenken, die Tochter damals noch die meiste Zeit in der Schweiz, der Schwiegersohn der ebenfalls viel unterwegs ist und keinerlei Hundeerfahrung hatte. Klar war, dass dann wieder alles an mir hängen bleibt. Heute bin ich froh dass wir uns für Emmi entschieden haben. Keine Frage, wir hatten definitiv schon einfachere und ruhigere Hunde – aber noch nie so einen verschmusten und menschenbezogenen wie die kleine Emmi. Ob Una und Emmi unsere letzten Tiere sein werden kann ich nicht sagen, aber mehr kommen auf jeden Fall nicht dazu solange die beiden leben, denn Kosten und Zeitaufwand sind immens. Tiere laufen nicht einfach mit! Das möchte ich ausdrücklich nochmal sagen, so schön es ist ein Haustier zu besitzen, so schwierig und kritisch ist es auch in manchen Situationen.

Für heute haben wir einen kleinen Ausflug mit Pferd und Hund geplant, bei dem schönen vorfrühlingshaften Wetter muss man einfach raus, und zu viert macht es noch mehr Spaß.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag!