Vertrauen gewinnen!

Teil 2 – Una

Vertrauen… oder eben nicht…

Bei unserer Stute Una beobachteten wir ein anderes Phänomen. Una kauften wir aus einem komplett anderen Motiv als Rosii. Eher ein spontaner Pferdekauf den wir aber bis heute nicht einen Tag bereut haben.  Meine Tochter ist online auf die Verkaufsanzeige von Una gestoßen. Brave, 7 jährige Haflingerstute, für Kinder oder Anfänger geeignet, gute Grundgangarten, kann noch weiter gefördert werden…. Viele Phrasen aber dafür Bilder, die ihr nicht mehr aus dem Kopf gingen.

Also mussten wir an einem Samstag Nachmittag, unbedingt dieses Pferd ansehen, der Verkäufer wurde kontaktiert und keine 2 Stunden später standen wir am vereinbarten Treffpunkt. Kein Verkäufer in Sicht, dafür auf einer kleinen eingezäunten Wiese zwischen einem Wohnhaus und Wald eine kleine, zierliche Haflingerstute. Als wir auf die Weide zugingen kam sie sofort an den Zaun, um uns freundlich zu begrüßen. Das Leuchten in den Augen meiner Tochter verhieß nichts Gutes. Sie konnte es trotz Ermahnungen von mir, nicht abwarten und kletterte über den Zaun, um Una genau zu betrachten. Als Zuschauer waren das Bilder, die ich nicht mehr vergessen kann.

Vorsichtiges Annähern, aber eine Grundsympathie, die man sehen und spüren konnte. Meine Tochter ging auf der Weide umher und Una verfolgte sie Schritt auf Schritt. Als der Verkäufer kam wurde mir etwas unbehaglich, ein typischer Bayer, er nennte sich selbst Züchter. Ich fragte wo denn die anderen Pferde stehen würde und er erwiderte, dass sie sonst nur Hengste und Wallache haben – da kann er keine Stute halten. Eigenartiger Züchter. Ich schaute meine Tochter an und wusste, dass es bereits um sie geschehen war. Sie stellte 1000 Fragen und wollte natürlich auch Probereiten. Er meinte nur in Urbayerisch, sitz Di doch nauf… Was soviel heißt wie, steig doch einfach auf. Das machte sie auch. Ohne Helm, Sattel, Zaumzeug, nur mit Halfter auf einer Weide. Mir wurde immer unbehaglicher, aber ihr das auszureden hätte nichts gebracht. Also einfach hoffen, dass nichts passiert. Und es passierte nichts, rein gar nichts. Una trug meine Tochter ganz brav Runde für Runde über die Wiese, im Schritt, Trab und Galopp. Sie sprang vom Pferd und schaute mich freudestrahlend und erwartungsvoll an. una.jpgAber wir hatten vorher fest ausgemacht, egal was passiert, eine Nacht drüber zu schlafen. Während der Besichtigung hatte sie an die 100 Fotos von der kleinen Stute gemacht. Besonders viele von mir, denn auch ich durfte die schöne Erfahrung machen, von Una eingenommen zu werden. So ein freundliches und anhängliches Pferd war mir bisher noch nie begegnet. Es schien als hätte sie uns ausgesucht. Ich glaube mit diesem Satz hat mich meine Tochter dann letztendlich auch überredet einzuwilligen. Unser Deal war, dass ich sie bei Pflege und auch beim Bewegen der Pferde unterstütze, wenn sie ein zweites kauft.

Durch ihren Job kann es durchaus vorkommen, dass sie zeitweise sehr eingespannt ist und das alleine nicht schaffen könnte. Heute weiß ich, dass es natürlich auch daher rührte, dass sie mich noch mehr an das Reiten und die Pferde binden wollte. Nun gut, um uns ein besseres Gefühl zu geben, baten wir unseren damaligen Stallbesitzer uns zur 2. Besichtigung zu begleiten, quasi als Experten. una1.jpgEr schaute sich Una und deren Abstammungsnachweis fachmännisch an und gab sein ok. Der Verkäufer und er kannten sich zufällig von der Pferdezucht und so konnten wir auch noch aushandeln, dass er uns Una 2 Tage später „lieferte“. Und so kam Una bereits nach kurzer Zeit in unsere Hände. Als der Verkäufer sie damals brachte war meine Tochter leider noch in der Arbeit und ich komplett alleine am Stall. Der Verkäufer drückte mir nach dem Abladen den Strick mit einem nervösem, fast schon panischem Pferd in die Hand und verabschiedete sich wortkarg. Schnell brachte ich sie in die Box und verschloss noch viel schneller die Türe. Oh Gott, was ist das? Dachte ich mir. Nichts mehr zu sehen von dem netten, zugänglichen Pferdchen. Große, weit aufgerissene Augen schauten mich an. Sie ging in der Box panisch umher und wieherte pausenlos in einer Tonlage die mir Gänsehaut bereitete. Als meine Tochter endlich kam versuchte ich die Situation etwas runterzuspielen. Als sie freudig auf die Box zuging konnte sie allerdings sofort selber sehen was Sache war. Und jetzt?

Vielleicht muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass wir in früheren Jahren schon sehr schlechte Erfahrungen beim Pferdekauf gemacht haben. Ein bisschen verzweifelt hofften wir beide, dass sie sich schnell beruhigt und wir uns nicht getäuscht haben oder getäuscht wurden. Beim  ersten Pferd, das wir meiner Tochter im Kindesalter gekauft haben stellte sich Jahre später heraus, dass das Pferd bei der Besichtigung mit Beruhigungsmitteln gespritzt wurde.

Zwei Tage später wurden wir vom Stallbesitzer morgens um 5.00 Uhr geweckt, Una sei in der Nacht durch den Zaun und sein Nachbar hatte sie gerade am Kreisverkehr der Hauptstraße gefunden. Meine Tochter fuhr panisch an den Stall um nach ihrem Pferd zu schauen. Zum Glück hatte sie nur ein paar oberflächliche Schrammen, war aber ansonsten unversehrt. Nur durch den Wind war sie, aber richtig. Die Herde schien nachts den Zaun beschädigt zu haben, alle anderen Pferde waren in ihre sicheren Boxen gelaufen, Una war aber noch fremd, wusste nicht wohin und ist in ihrer Panik einfach davon gelaufen. Meiner Tochter gelang es sie zu beruhigen und blieb am Stall bis sie wieder in die Weide Gruppe integriert schien und mit den anderen Pferden graste. Bei Una haben wir innerhalb kürzester Zeit das Hauptproblem erkannt. Sie muss lange Zeit alleine gestanden sein, was für ein Herdentier wie ein Pferde eine regelrechte Qual sein kann. Unser größtes Problem bei ihr war sie von der Gruppe trennen zu müssen. Solange sie ihre Herde sehen konnte, war alles ruhig. Waren die „Freunde“ aber ausser Sichtweite wurde sie sofort unruhig, begann wie wild zu wiehern und steigerte sich in eine Panik aus der sie nur schwer rauszuholen war.

An einen Spaziergang, also weggehen vom Stall oder gar alleine ausreiten war nicht zu denken. Solang wir Rosii dabei hatten war sie ruhig und ganz entspannt. Aber wehe man versuchte die Abstände langsam zu erweitern. Das ging gar nicht. Heute können wir mit Una problemlos alleine ausreiten, spazieren gehen, mit dem Hänger wegfahren. Ihr wiehern wird sie nicht sein lassen, aber sie ist nicht mehr panisch und das ist das Wichtigste. Wie wir es geschafft haben, ihr die Angst zu nehmen und vertrauen aufzubauen können ihr in den Artikel. 5 Tips um Vertrauen zum Pferd aufzubauen nachlesen.

Die Bilder sind übrigens bei unserem ersten Besichtigungstermin entstanden. Ich freue mich heute noch wenn ich sie betrachte und sehen kann wie prächtig sich Una entwickelt hat.