Sonntagsfrühstück, 22. März

Einen wunderschönen guten Morgen!

Da freut man sich seit Wochen auf den Frühlingsanfang und was passiert? Ich habe ihn vollkommen vergessen! Es blüht und grünt immer mehr, man könnte schon fast sagen – eine Naturexplosion. Das Wetter und auch die Temperaturen waren traumhaft, jedoch sind die Meldungen um die Corona Krise das beherrschende Thema. Nachdem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bereits den Katastrophenfall im Freistaat ausgerufen hat, wurden nun am Freitag weitere Ausgangsbeschränkungen beschlossen, auf die ich – ganz ehrlich – schon seit Tage gewartet und gehofft habe. Das Verlassen der Wohnung ist nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt und Apothekenbesuche, Hilfe für andere – aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft. Dies jedoch nur alleine oder mit Personen mit denen man zusammenlebt. Geschlossen wurden die komplette Gastronomie wie auch Friseure und Bau- und Gartenmärkte.

Zu viele Menschen haben sich einfach dämlich und unvernünftig verhalten. Nun ist Schluss mit Partys am See, Grillen im Park, Massenandrang im Gartencenter und Treffen in der Fussgängerzone zum Kaffeeklatsch. Noch vor zwei Wochen habe ich gelesen dass viele das Virus kalt lässt. – „Das ist doch alles nur Panikmache“ und „die Menschen werde von den Medien beeinflusst und es ist nichts anderes als eine Grippe“. Meine Nachbarin meinte die Nachrichten hätten sie in Panik versetzt und jetzt müsse sie hamstern, sonst bleibt für ihre Familie nichts mehr übrig.

Auch wenn das Wetter noch so verlockend war, habe ich das Haus nur für Einkäufe und zum Gassi gehen mit Lillii verlassen, denn schliesslich gehöre ich zur Risikogruppe. Wir alle können nur Hoffen und das Beste aus der Situation machen. Momentan verzichten wir auf Besuche und telefonieren umso mehr. Vieles ist erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben, denn nichts ist wichtiger als die Gesundheit und die Familie. Zum Glück müssen wir die Zeit nicht totschlagen, im Haus und Garten ist viel zu tun und das schöne ist, wenn wir um 18 Uhr gemeinsam und lange beim Abendessen sitzen und reden, reden, reden und reden.

Nie und nimmer hätte ich mir vor einem Monat vorstellen können, dass ein Virus es schafft die Welt zum Stillstand zu zwingen. Die tägliche Dosis schrecklicher Nachrichten lässt viele verzweifeln, im Minutentakt treffen Nachrichten von über tausende Neuinfektionen ein und jede Stunde steigt die Zahl deren, die den Virus in sich tragen und unbemerkt weitere Menschen damit anstecken, rapide an. Doch während die Todesopfer in Italien täglich steigen, schien das Virus für viele Deutsche nicht zu existieren. Ist es noch vor oder schon nach zwölf?

Am Freitag Abend die Nachricht, das es in einem Pflegeheim in Würzburg 9 Tode gab und weitere 15 wurden positiv auf das Virus getestet. Hinzu kommen noch 23 Pflegekräfte die sich zuhause in Quarantäne befinden. Täglich wünschte ich mir, es währe nur ein schlechter Film und ich könnte einfach die Taste zum Beenden drücken.

Meine Tochter hat mir gestern diesen hoffnungsvollen Artikel geschickt, der mich unglaublich bewegt und nachdenklich gemacht hat. Vielleicht geht es euch genau so wie mir.

Wünsche euch einen schönen Sonntag und bleibt Gesund!