Die erste Reitstunde

Teil 1 – Die erste Reitstunde

Da stand ich nun und fragte mich immer wieder was ich hier eigentlich mache. Was habe ich erwartet? Eine kurze Einweisung von der Stallbetreiberin die ermutigend sagte, dass ich heute Rapur reiten darf. Sie zeigte mir in welchem Stall er steht und bat mich ihn gleich für die Stunde fertig zu machen. Ich? Alleine?

Da stand er nun (später erfuhr ich dass sein Name Hrappur ist, ein IsländerHENGST) und schaute mich mit erwartungsvollen Blicken und großen Augen an. Wir beobachteten uns eine Weile skeptisch. Wird er mir auf die Füße steigen, ausschlagen oder beißen?

Nein, ganz ruhig stand er da und genoss die Massage mit der Bürste. Hufe auskratzen und vom Schmutz befreien – die nächste Hürde – da ich die Handgriffe noch nicht beherrschte. Ungeschickt zog ich an seinem Bein aber er wollte mir partout seine Füße nicht geben. Erschöpft und unter Zeitdruck gab ich auf. Zum Satteln und Trensen bekam ich Hilfe – sie war 11 Jahre! Sie zeigte mir ganz selbstverständlich die nötigen Handgriffe. Beschämend – sie war 11!!!

Nun ging es zur Reithalle – jetzt ist eh schon alles egal…

Eine kurze Einführung (ich glaube meine Tochter hat bei der Anmeldung zur Reitstunde etwas geflunkert, dass Vorkenntnisse zum Reitsport vorhanden sind.) Aufstieg Hilfe und schon saß ich im Sattel. Oh Gott, ist das hoch!! Das Pferd hatte ein Stockmaß von ca. 1,35m!!! An der Longe im Schritt, Runde für Runde, dazu jede Menge Fachlektionen. Auf was soll ich mich jetzt konzentrieren? Höflich aber bestimmt machte mich die Reitlehrerin auf meine Fehler aufmerksam und stellte eine Frage nach der anderen. Ich wollte nicht unhöflich sein, aber Konversation war in diesem Moment nicht drin.

„Sitz gerade, Steigbügel austreten, Du sitzt schief “ (haben wir uns das Du schon angeboten?!) „Das Bein mehr nach vorne, und bitte lächeln – Reiten macht Spaß“. Im großen Spiegel in der Reithalle sah ich jemanden mit hochrotem Kopf, verkniffenem lächeln und weit geöffneten Augen. Oh je, das bin ich.

Aber… von Runde zu Runde wurde das Gefühl besser, ich dachte das Pferd folgt meinen Anweisungen. Falsch… ein Schulpferd an der Longe, in der Mitte der Reitbahn seine Chefin mit der langen Gerte. Trotz allem, es hat Spaß gemacht… ich bin auch ein bisschen stolz auf mich nicht gekniffen zu haben… aber werde ich weiter machen?