Tips für Einsteiger

Meine Tips für Reit-Einsteiger 

Würde ich heute noch mal mit dem Reiten beginnen, würde ich sicher einen anderen Weg wählen als vor 4 Jahren. Ich wusste nicht wirklich was mich erwartet und worauf ich mich einlasse. Bereut habe ich es doch nie, aber ich möchte es nicht missen meine Erfahrung daraus weiterzugeben und deshalb habe ich hier einige Tips für euch zusammen gestellt.

  • sich Zeit nehmen und informieren
  • wissen was man erreichen möchte
  • lesen und schauen
  • die richtige Ausstattung
  • sich nicht beeinflussen lassen

1. Sich Zeit nehmen, informieren, informieren, informieren….

Sie denken ja, aber wo fange ich an?

Über folgende Punkte sollte man sich unbedingt im Vorfeld Gedanken machen und ausführlich informieren. Die Zeit die man investiert lohnt sich und bewahrt eventuell vor Enttäuschungen.

Das A und O für einen verunsicherten und vielleicht noch unentschlossenen Menschen ist sicher erst mal den richtigen Ort für sein Vorhaben zu finden. Bei mir hat meine Tochter entschieden, der Reitstall an dem sie als Kind alles über Reiten und Pferde gelernt hat. Ich hatte großes Vertrauen in die Reitlehrer, Pferde und Abläufe. Die Menschen und der Unterricht waren wirklich super und fundiert. Was mir schon bei meiner ersten Reitstunde auffiel, dass ausschließlich Kinder am Stall waren. Anfangs störte es mich nicht, denn vor den Kindern hatte ich wenig Scham, meine mangelnden Reitkünste zu zeigen. Später wurde es doch schwierig, ich hatte niemanden um mich auszutauschen und war eigentlich nur immer für die Stunde am Reitstall. Auch zu sehen wie spielerisch leicht Kinder lernen, ohne Angst und Vorurteile auf Pferde zu gehen ist beeindruckend, aber nicht unbedingt förderlich, wenn es einem selbst ganz anders geht. Kinder lernen sehr schnell und haben nur selten die Blockaden im Kopf, die sich im erwachsenen Alter einstellen. So fühlte ich mich nach einer Weile nicht mehr wirklich wohl und entschloss mich, den Reitunterricht im heimischen Stall fortzusetzen.

Die Recherche nach Reitunterricht für Erwachsene im Internet ist auch nicht besonders zielführend, denn nahezu jede Reitschule bietet es auf seiner Website an. In der Realität sitzt man dann wieder mit 6 Kindern in einer Gruppenstunde und wird einfach nur anders behandelt. Das ist leider immer noch etwas, dem zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Erfreut hätten mich Reitstunden mit Gleichgesinnten, gerne in den Abendstunden. Aber hier mangelt es wohl an der Nachfrage.

Empfehlen kann ich deshalb jedem, sich vorher ausgiebig zu informieren, die Ställe zu besuchen und viel zu fragen. Es ist auch hilfreich einfach mal bei einer Reitstunde zuzusehen, ist der Reitlehrer freundlich und klar in seinem Unterricht? Gefällt mir der Ablauf? Die Atmosphäre? Der Aufbau des Unterrichts? Spannend ist auch, den Reitbetrieb als Ganzes zu beobachten. Welche Menschen sind am Stall? Wie ist die Grundstimmung?

Denn neben dem Reitunterricht, sollte man sich auf der Anlage wohlfühlen – die Menschen und Pferde sympathisch sein. Mir ist auch die Pferdehaltung sehr wichtig. Komme ich an einen Stall aus dem mich die Pferde verängstigt durch Gitterstäbe mustern, überkommt mich immer ein ungutes Gefühl und ich ziehe lieber ab. Kommen die Pferde regelmäßig aus ihren Boxen? Ist der Stall gepflegt und gut geführt? Wer leitet den Reitunterricht? Sind die Schulpferde in guter Verfassung?

Passen die Pferde zu mir? Welche Reitweise möchte ich später erlernen, wenn die Basics sitzen?

All das sind Fragen die man sich im Vorfeld stellen sollte, um einen passenden Stall zu finden.

Der Unterricht an sich sollte im Idealfall folgende Punkte erfüllen:

Reitunterricht für Erwachsene Anfänger. Erwachsende Menschen habe andere Ängste als Kinder, das ist ein sehr wichtiger Punkt auf den der Reitlehrer eingehen sollte. Wir brauchen vielleicht ein bisschen länger um den ersten Trab zu wagen, das einfach zu ignorieren macht nur Angst und ist nicht hilfreich.

Wir kennen nicht alle Fachausdrücke. Begriffe wie treiben, Bahnfiguren etc. müssen erst erklärt und dann gelernt werden.

Spielerisch reiten lernen ist für Erwachsene eine zusätzliche Herausforderung – rückwärts oder seitlich auf dem Pferd sitzen oder andere Turnübungen auf dem Pferderücken, machen Kindern Spaß und sollen das Vertrauen stärken, zudem die Konzentration auf die Bewegungen des Pferdes lenken. Als Erwachsender fühlt man sich dazu einfach nicht in der Lage, sei es an der Angst runterzufallen oder auch an der Scham auf einem Pferd komische, ungelenke Figuren zu machen. Nein, das ist nicht unsere erste Wahl und muss auch nicht sein.

Die Unterrichtseinheiten nicht zu komplex zu machen. Für uns ist es schwieriger viele Dinge gleichzeitig zu machen und zu beachten. Bekommt man dann auch noch theoretischen Input kann es durchaus vorkommen, dass das komplett an uns vorbei geht. Bitte langsam und eins nach dem anderen. Wie gesagt vielleicht brauchen wir etwas länger – dafür ist es uns aber ernst und wenn der Knoten geplatzt ist, kann man einen Gang zulegen.

Das richtige Pferd finden. Gut das ist ein schwieriges Thema. Zum einen hat man nicht immer die Wahl welche Pferderasse man bevorzugt, da die Reitschulen die Pferde selten nach Rasse auswählen, zum anderen hat hier jeder persönliche Präferenzen. Für mich war die Frage nur klein oder groß. Meine Tochter hat mir nahegelegt auf Islandpferde zu beginnen, da die nicht groß sind und schöne weiche Gänge haben. Lustig, heute hätte ich mich komplett anders entschieden. Die Größe der Pferde war wirklich ideal, Auf- und Absteigen eine Herausforderung, aber noch zu meistern. Von oben gesehen waren die kleinen Pferdchen aber trotzdem sehr hoch und nicht weniger besorgniserregend als die ganz großen. Zum Reiten im Schritt kein Problem, geht man dann aber zum Trab über, wird man von den kleinen, fleißigen Ponys erst mal richtig durchgeschüttelt. Wow – das hab ich mir bequemer und einfacher vorgestellt. Ich will gar nicht daran denken wie das für`s arme Pferchen gewesen sein muss. Mir viel es wesentlich leichter,  auf langsamere Bewegungen einzulassen und wurde hier fündig bei Haflingern, von der Größe ähnlich, aber die Gangarten komplett anders. Auch auf Großpferden fühlte ich mich anfangs bei schnelleren Gangarten wohler. Dinge wie Leichttragen bei einem flotten Isländer auf die Reihe zu kriegen ist wirklich nicht einfach, wenn man sich selbst noch nicht koordinieren kann und alles neu und wackelig ist.

Aber wie gesagt hier hilft nur selbst auszuprobieren auf welchem Pferd man sich wirklich wohl fühlt und am Besten lernen kann.

Was ich ausserdem jedem unbedingt ans Herz legen möchte ist, sich vorab über die Kosten und Gefahren zu informieren. Die Kosten für eine Reitstunde sind sehr unterschiedlich. So zahlt man bei uns in der Gegend für eine Longenstunde, die in der Regel 30 Minuten dauert, zwischen 15 und 30 EUR. Hier kommt es wirklich ganz auf den Reitbetrieb an. Meint man es wirklich ernst und möchte regelmäßig Reitunterricht nehmen, dürfen die Kosten hierfür nicht unterschätzt werden. Für später ist auch gut zu wissen, dass Gruppenstunden günstiger angeboten werden als Einzelunterricht. Hier gibt es aber große regionale Unterschiede. Am Besten ist direkt beim Kennenlernen die Kosten zu erfragen. Die Gefahren beim Reiten sollten ernst genommen werden, wie man auch gut an meinem Beispiel sehen kann. Der Reitsport birgt wie viele anderen Sportarten ein gewisses Risiko. Gerade als Anfänger wenn man noch nicht sattelfest ist, fällt man leichter vom Pferd als ein geübter Reiter. Gefeit vor einem Unfall sind jedoch nicht mal die Profis. Meine Empfehlung ist deshalb in jedem Fall zu prüfen ob man eine Unfallversicherung hat und falls nicht, unbedingt eine abzuschließen.

Wie man an der länge des ersten Punkts sehen kann gibt es vieles über das man sich im Vorfeld Gedanken machen und sich informieren sollte. Am Besten viel Zeit nehmen mit der Auswahl des Reitbetriebes und nicht gleich aufgeben wenn der Stall dann nicht hält was er anfangs versprochen hat. Bei jeder Erfahrung lernt man was besser zu einem passt.

Geduldig sein

Ja, es scheint Geduld ist nichts, das man im Alter bekommt. Bei allem was man neu anfängt möchte man möglichst schnell Resultate erzielen – so ist das einfach. Aber beim Reiten lernen braucht man unbedingt die nötige Geduld, zu schnell ist man sonst frustriert und nahe wieder aufzugeben. Man hat hier mit einem Lebewesen zu tun, nicht mit einer Maschine, was letzte Woche noch problemlos geklappt hat funktioniert die Woche drauf vielleicht gar nicht. So ist das eben, aber Rückschläge sollten uns nicht davon abbringen – nur noch offener machen um zu lernen. Einfache Dinge, wie Leichttraben oder Gerade auf dem Pferd zu sitzen muss man üben und verinnerlichen. Dafür gibt es keine schnelle Gebrauchsanleitung die sofort und ohne Fehler 1:1 umgesetzt werden kann. Gebt euch und eurem Körper die Zeit sich an die neuen Bewegungen zu gewöhnen und den theoretischen Input zu verarbeiten, zu verstehen und zu lernen. Ich habe oft gefragt wie lange es dauert bis man reiten gelernt hat und meist nur lachende und verblüffte Gesichter gesehen. Reiten lernt man sein Leben lang. Mit jeder neuen Stunde, mit jedem neuen Pferd lernt man etwas dazu. Mein größtes Ziel ist nach wie vor sattelfest in allen Gangarten zu werden. Der Galopp oder schnelle Trab beängstigt mich seit meinem Unfall immer noch. Ich will keine schwierigen Aufgaben in diesen Gangarten beschreiten, sondern einfach sicher im Sattel sitzen bleiben, falls das Pferd mal unkontrolliert schneller wird. So sind die Ziele eines jeden unterschiedlich, Geduld und Ausdauer muss aber jeder mitbringen der reiten lernen will, sonst wird es nur ein Kampf mit sich selbst.

2. Wissen was man erreichen möchte

Wie oben und in meinen anderen Artikeln beschrieben war mein Ziel, schöne Ausritte in die Natur zu unternehmen. Jedoch gibt es viele weitere Ziele die man sich in der Reiterei stecken kann. Wie diese genau aussehen sollte sich jeder vorneweg selbst überlegen. Gerade zu Anfang ist es toll ein Ziel zu haben das auch erreichbar ist, wie zum Beispiel das Pferd in den Grundgangarten sicher reiten zu können. Alles andere ergibt sich später fast von selbst.

Eine Bekannte von mir, hat sich ihr Leben lang eine Reittour durch Island gewünscht. Sie war keine Reiterin, sie hat es sich immer nur so schön vorgestellt. Auf einer Jeeptour durch Island hat sie dann der Ehrgeiz gepackt. Zuhause angekommen wurde die erste Reitstunde vereinbart – was folgte war die grausame Realität bei 0 anfangen zu müssen. Das ist also ein Pferd aus der Nähe, die riechen streng und sind eigensinnig. Ihr zuzuhören war unglaublich amüsant und lustig. Mit viel Einsatz schaffte sie es und konnte nach 2 Jahren sattelfest und kundig an einer kleinen Hochland Tour auf Island teilnehmen. Sie strahlte über das ganze Gesicht als sie Zuhause davon erzählte. Wermutstropfen war allerdings, dass ihr Reitalltag nicht so aussah. Kein Hochland, keine wilden Berge, keine freien Islandpferde, sondern ein Reitstall am Rande der Großstadt mit begrenzten Ausreitmöglichkeiten.

Da sie nicht der typische Reiter ist, der jede freie Minute am Stall verbringen möchte hat sich sich nun entschieden, in den Sommermonaten regelmäßig an Wanderritten auf dem Land teilzunehmen. Für sie der perfekte Urlaub und die Möglichkeit ihre Reitkenntnisse immer wieder aufzufrischen. Es gibt zig Möglichkeiten das Reiterdasein für sich selbst zu gestalten. Was sein muss – der Gesundheit und Sicherheit zu liebe – ist die Basics fundiert zu erlernen. Das kann ich jedem empfehlen. Aufsteigen und los gehts, ist nicht. Kleine erreichbare Ziele setzen,  rausfinden was einem am Besten gefällt und liegt, ist der beste Einstieg.

3. Lesen und lernen

Inzwischen habe ich zahlreiche Bücher und DVDs in meiner Sammlung. Vieles davon hat mir sehr geholfen, manches leider gar nicht. Bei Büchern die so schön beschrieben sind wie „Reiten lernen als Erwachsener“ muss man immer aufpassen ob sich der Inhalt mit Anfängern oder Wiedereinsteigern befasst. Viele Fachausdrücke die verwendet werden sind für Wiedereinsteiger geeignet, für absolute Neuanfänger jedoch nicht verständlich. Auch in DVDs wird man nicht immer am Anfang abgeholt, ein Grundwissen wird vorausgesetzt, das ich nicht hatte.

Bei mir hat es dazu geführt, dass ich viele Bücher frustriert bei Seite gelegt habe und erst mit angesammeltem Wissen wieder eingestiegen bin. Das war traurig, denn hätte ich nicht gefragt oder selbst im Internet recherchiert wäre mir vieles unbekannt geblieben. Empfehlen kann ich hier das Buch „Reiten geht immer“. Hier wurde ich auf witzige und leichte Art und Weise damit vertraut, was Reiten lernen wirklich bedeutet. Neben all dem fundierten Fachwissen hat das Buch durchaus Passagen bei denen ich wirklich lachen musste und mich selbst wiedererkannt habe.

4. Die richtige Ausrüstung

Nein, zum Start muss man sich nicht alles kaufen. Der Irrglaube ist heute noch weit verbreitet. Ist es besser gleich als Anfänger erkannt zu werden oder besser später, wenn man in perfekter Reitkleidung auf dem Pferd sitzt?

Mir ist erstes auf jeden Fall lieber. Anfangs wusste ich auch nicht ob das wirklich etwas ist das ich längerfristig betreiben und somit investieren möchte. Was jedoch unverzichtbar ist – ist die Reitkappe und festes Schuhwerk. Die Reitkappe hat mich natürlich am meisten gestört, so ein unschönes Ding aufsetzten und danach stehen die Haare zu Berge. Ja – aber trotzdem ist die Reitkappe unverzichtbar. Ich habe heute immer ein Cap oder eine Mütze dabei um meine lädierte Frisur nach der Stunde zu verstecken, aber ohne Kappe kein Reiten, das habe ich meiner Tochter seit ihren Anfängen gepredigt und halte es jetzt konsequent ein. Festes Schuhwerk ist ebenfalls Pflicht, kein Zeh landet gerne unter einem 400 kg Pferd. Aber auch die Sicherheit beim Reiten kann nur mit dem richtigen Schuhwerk geleistet werden. Im Bügel hängen zu bleiben und dann vom Pferd mitgeschleift zu werden ist eine Horror Vorstellung für jeden.

Wenn man beim Reiten bleibt, sollte man früher oder später in eine gute Reithose und Handschuhe investieren. Ich habe mittlerweile noch etliche Reitjacken und Westen die ich nur am Stall trage. Aber schließlich will man sich auch dort wohlfühlen und schick sein.

Zu meiner festen Ausrüstung gehört nun auch meine Airbag Sicherheitsweste die ich letztes Jahr zum Geburtstag bekommen habe. Mehr dazu unter dem Artikel Sicherheit&Reiten.

5. Sich nicht beeinflussen lassen

Der letzte aber wichtige Tip von mir ist – sich nicht beeinflussen zu lassen. Viele meiner Nicht-Reiter Freundinnen haben die Welt nicht mehr verstanden, als ich ihnen davon erzählt habe. Ich bin sicher die meisten haben mich für völlig verrückt gehalten.

Ja, es ist eine gefährliche Sportart, ja, man investiert sehr viel Zeit und Geld. Und ja, man verbringt sehr viele Stunden am Stall – mit Schmutz, Mist und Pferdehaaren. Aber was macht das schon wenn man richtig Freude daran hat?

Gerade die Hinweise auf mögliche Gefahren haben mich immer wieder verunsichert. Nach meinem Unfall wurden die Stimmen auch lauter, dass ich das Reiten doch bitte an den Nagel hängen soll. Ich habe es nicht, sondern noch einmal meinen ganzen Mut zusammen genommen und wieder gestartet, aber dieses Mal anders, langsamer und ohne den Übermut. Ich bereue es keine Sekunde

Ich bin übrigens darauf gekommen diesen Artikel zu schreiben als mich ein Bekannter vor kurzem kontaktiert hat, er spiele mit dem Gedanken reiten zu lernen weil seine neue Lebensgefährtin nur Pferde im Kopf hat. Er bat mich um Tips  – und wie immer ließ die Frage  – wie lange es dauert reiten zu lernen – nicht lange auf sich warten.