Zeit & Fragen

Was bedeutet Zeit für mich?

Bei einem Gewitter Anfang August musst ich feststellen, dass die Zeit wirklich ein Phänomen ist. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass ich panische Angst vor Gewittern habe. Ansonsten könnt ihr hier gerne nachlesen warum und seit wann das so ist. So hörte ich bereits Morgens im Radio, dass für den heutigen Tag vor extremen Unwettern im Alpengebiet und anderen Teilen Deutschlands gewarnt wird. Durch die aktuelle Wetterlage seien auch Tornados nicht ausgeschlossen. Oh je, für mich die richtige Meldung am Morgen. Den ganzen Tag über war es schwül und erdrückend heiß. Das Thermometer zeigte am Nachmittag irre 35 Grad, dabei war die Luft extrem feucht. Am Stall bei den Pferden war es kaum auszuhalten, die Stechinsekten waren aggressiver denn je, was bei uns auch ein deutliches Zeichen ist, dass Gewitter im Anmarsch sind. Zurück Zuhause stellte ich erschöpft fest, dass Fenster öffnen heute keine Option ist, drinnen war es genauso heiß wie draussen. Man schwitzte sogar beim Sitzen. Alle 5 Minuten wurde meine Wetter App von Wetteronline aufgerufen und konnte erkennen dass eine riesige Gewitterzelle auf dem Weg zu uns war. Auch meine andere Wetter App, Alerts Pro startete mir Gewitterwarnungen zu senden. Ich wurde immer nervöser. Dann fiel der Strom im ganzen Ort aus, Dunkelheit und eine unheimliche Stille um mich rum. Auch das Internet funktionierte nicht mehr, also versuchte ich mich daran zu erinnern für wann das Unwetter angekündigt war. In circa 30 Minuten sollte ich losgehen. Ich zündete mir am Esstisch eine Kerze an und wartete. Gefühlt habe ich jede Minute die Uhrzeit gecheckt, aber es schien als würde die Zeit still stehen. Ohne Internet, ohne Beschäftigung wurde meine Angst immer schlimmer. Ich hätte was lesen können, ja, eine Taschenlampe habe ich im Haus, aber dafür war ich viel zu unruhig. Also begann ich über Zeit nachzudenken. Wie kann es sein, dass einen das Zeitgefühl so trügen kann. Wenn man etwas schlimmes erwartet oder in unangenehmen Situationen scheint die Zeit in Zeitlupe zu vergehen, in schönen Momenten dagegen scheint sie nur so davon zu rennen. Es ist erstaunlich wie viele unterschiedliche Bedeutungen das Wort Zeit belegt.

Was wäre wenn es keine Uhren gäbe? Würden wir besser leben? Zeitdruck und Stress sind mittlerweile ein großes Thema geworden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als meine Tochter ein Kind war wurde die Zeit noch anders bestimmt. Wenn sie im Sommer zum Spielen mit ihren Freunden draußen war sagten wir immer sie soll nach Hause kommen bevor es dunkel wird. Die Kinder hatten damals selten Uhren und vor allem noch kein Smartphone das ebenfalls die Zeit anzeigt. Aber es klappte auch auf diese Art sehr gut. Früher sind die Menschen morgens mit der Sonne aufgestanden und abends wenn es dunkel geworden ist, schlafen gegangen. Wie schön es doch wäre wenn unser Leben diesem Rhythmus heute noch haben könnte. Der Winter wurde zum Schlafen und Ausruhen genutzt und der Sommer zur Arbeit weil die Tage lang waren. Man hat die Zeit genutzt wie sie kam. Mir ist kürzlich beim Warten auf meinen Zug am Bahnhof aufgefallen, dass immer weniger Menschen Uhren am Handgelenk tragen. Ich denke aber nicht, dass sie auf die Zeitmessung verzichten möchten. Das Smartphone hat einfach den ursprünglichen Sinn der Uhr ersetzt. Das Handy immer in der Tasche ist es für viele Grund genug auf eine Uhr verzichten zu können. Für mich undenkbar. Eine Uhr ist nicht nur Zeitmesser sondern auch modisches Accessoire das mein Outfit komplettiert.

Heut bestimmen Termine unser Leben, wir hetzen der Zeit hinterher und vergessen oft einfach mal innezuhalten und die Zeit wirklich bewusst zu genießen. Wie schade. Heute „trackt“ man die Zeit, der Tag ist oft fest verplant und es bleibt kaum Zeit dafür Momente nicht nur geschehen zu lassen sondern bewusst zu erleben.

In der nervösen Wartezeit ist mir bewusst geworden, dass wir der Zeit die uns negativ erscheint oft viel mehr Beachtung schenken als der schönen Zeit. Schöne Momente verfliegen weil wir nicht an die Zeit denken. Wenn wir warten oder schlechtes erahnen konzentrieren wir uns darauf. Die Zeit ist messbar, unser Gefühl darüber aber subjektiv und sehr individuell. So erscheint mir der Sommer auch immer viel kürzer als der Winter.

Ich habe mir vorgenommen folgenden Zeit-Themen in den nächsten Monaten etwas mehr Beachtung zu schenken.

  1. Zeit nehmen – für Dinge die mir Wichtig sind
  2. Zeit schenken – Menschen die ich liebe
  3. Zeit vertrödeln – um mir selbst etwas Gutes zu tun
  4. Zeitlos – ein zeitloses Outfit für den Herbst zu kaufen
  5. Zeitmesser – es ist Zeit für eine neue Uhr!

Der wichtigste Punkt ist sicher „Zeit nehmen“. Für mich gehört viel Konsequenz dazu, mir bei all den Terminen und Verpflichtungen Zeit für mich selbst zu nehmen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Das muss sich auf jeden Fall ändern. Gerade wenn man älter wird lohnt es sich doch einen Ganz zurück zu schalten und die Zeit nicht einfach dahin rasen zu lassen. Sie ist kostbar, und niemand weiss wie viel schöne Momente noch auf einen warten. Ebenso wichtig ist „Zeit schenken“. Ich glaube in der heutigen Zeit ist es mit das kostbarste das man einem anderen Menschen schenken kann. Ich werde euch auf dem Laufenden halten ob es klappt und auch über die anderen Punkte berichten.