Das grosse Ladensterben

Dass der Einzelhandel massive Probleme hat, ist keine überraschende Neuigkeit, doch bei meinem letzten Stadtbummel mit meiner Tochter war ich doch ein wenig geschockt. Seit Jahren wehren sich Einzelhändler gegen den Untergang, viele Innenstädte veröden, weil viele ihre Geschäfte schliessen müssen. Aus Altersgründen, keine Nachfolge, horrende Mieten in A-Lagen, zusätzlich machen die Städte durch Verordnungen und Verbote den Händlern das Leben schwer, aber auch der Online Handel hat dazu beigetragen. Ist er der Schwarze Peter?

Aber nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land schliessen die Läden. Bin gespannt wie lange sich unser Lebensmittel-Lädchen mit Bäckerei noch hält. Der erste Schritt wurde durch die verkürzte Öffnungszeit schon gemacht. Besonders für die ältere Generation wäre die Schliessung bestimmt tragisch, denn ohne Auto ist man hier auf dem Land verloren. Der Laden ist klein, trotzdem findet man dort fast alles was man zum täglichen Leben braucht. Um 06.30 Uhr wird geöffnet und die ersten Kunden stehen bereits für frisches Brot und die Tageszeitung an. Am Vormittag kommen dann die Handwerker um sich eine Brotzeit zu holen. Leberkäs-Semmel, Wurst- und Fleischsalat, wer schwer schuftet hat auch Hunger. Ich kaufe dort gerne Käse und Wurst, das bekomme ich scheibchenweise und die Brez`n und Semmel sind noch handgemacht. Ich mag diesen kleinen Laden, wo die Kinder noch ein Wiener Würstchen, kostenlos, über die Ladentheke bekommen und mich die Kassiererin noch mit meinem Namen anspricht. Natürlich können die Läden mit den „Grossen“ nicht konkurrieren und ich gebe auch zu, dass ich für meinen Grosseinkauf zum nächsten Supermarkt fahre. Obst und Gemüse hole ich im Hofladen, weil es mir ziemlich Wurst ist, ob die Gurke krumm oder gerade ist und mein Fleisch beim Metzger, der mir die Steaks in gewünschter Stärke schneidet und mich auch Anfang Dezember erinnert, dass ich die Vorbestellung für Weihnachten nicht vergesse.

In unserer Stadt ist eine wunderschöne Fussgängerzone, zum Shoppen, zum Flanieren und Kucken. In den letzten Jahren haben hier 22 Läden geschlossen. Zum Teil wurden sie durch Billig- und Ramsch-Läden, Handy-Shops oder Bankfilialen ersetzt – manche stehen einfach leer. Im Moment steht ein grosses Bekleidungsgeschäft zur Debatte und beim Buchhändler hängt das knallrote Plakat „Grosser Schlussverkauf – 50% auf alles, wegen Geschäftsaufgabe“ und das Feinkostgeschäft schliesst zum Monatsende. Eine traurige Entwicklung !