Sonntagsfrühstück, 8.November

Einen wunderschönen guten Morgen!

Oft habe ich das Gefühl, dass Drogeriemärkte am Eingang eine Gehirnwaschanlage installiert haben. Auf der Straße weiß ich noch ganz genau, dass ich drei Sachen kaufen will. Nagellackentferner, Duschgel und Waschpulver. Doch kaum betrete ich den Laden, ist die Erinnerung weg, gelöscht, ausradiert. Ich versuche mich zu erinnern, warum ich hier bin und entdecke, dass Shampoo im Angebot ist. Aber nur gegen Schuppen und die hab ich nicht. Dafür stehen in den Regalen nur 168 andere Sorten, für dickes Haar, für feines Haar, mit Keratin, fest, flüssig, vegan und sensitiv. Diese extreme Vielfalt, und zwar nicht nur bei Shampoo überfordert mein Gehirn blitzschnell. Gleich daneben ist das Deo Regal, für Männer, für Frauen, für 24 oder sogar 48 Stunden (waschen sich manche Menschen nicht) Spray oder Roller, sensitiv oder normal. Auf wie viele Arten können Menschen eigentlich schwitzen?

 

 

Dass zu viel Auswahl und Möglichkeiten überfordern, kennt man aber nicht nur in Drogeriemärkten. Auch in vielen Restaurants ist die Speisekarte so lang wie das Alte Testament. Und wenn ich aus den zig Gerichten endlich eines gefunden habe, sehe ich, dass „extrascharf“ steht und kann ich wieder von vorne anfangen. Im Supermarkt läuft die Entscheidung welchen von den Hundert Joghurt ich nehmen soll meist sehr schnell, richtig anstrengend wird es aber bei größeren Anschaffungen wie zum Beispiel bei einer Waschmaschine. Meine hat den Geist aufgegeben und ich fahre mal schnell in einen großen Elektronikmarkt. Eine halbe Stunde und die Sache ist erledigt. Aber falsch gedacht! Der Verkäufer zeigt mir eine ganze Litanei von Geräten und merkt schnell, dass ich überfordert bin. Jetzt zu sagen die Maschine sollte Wäsche waschen, ein paar Jahre überleben und nicht zu teuer sein wäre dann schnell ein Fehler. Leicht genervt meint dann der Verkäufer: „Das kommt ganz auf ihre Bedürfnisse an“. Es gibt Maschinen für Allergiker, für Menschen die gerne Blusen oder Hemden tragen, für große oder kleine Familien, es gibt leise, große und sparsame Geräte und welche mit „Nachlege Funktion“ – was immer das auch ist.

So ist es mit allem – es gibt einfach viel zu viel! Die fast grenzenlose Auswahl führt oft zur Überforderung und das Ergebnis heißt dann Stress. Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung wächst und mit ihr die Gefahr, dass man seine Entscheidung später bereut. Unser Dorfbäcker (den es leider nicht mehr gibt) hatte früher zwei Brotsorten, ein Mischbrot und ein Gewürzbrot. Heute steht man vor einem Regal mit 30 verschiedenen Brotsorten. Werde nie mehr der Verkäuferin die Frage stellen, welches Brot sie denn empfehlen würde. Sie legte mir einen Ausdruck vor, mit der vollständigen Zutatenliste aller Brotsorten vor. Welche Mehlsorten verwendet wurden, Körner und Saaten sowie Gewürze. Dann meinte sie, ich esse am liebsten ein Mischbrot, was ich dann auch gekauft habe. Doch wer möchte schon zurück in die Zeit, wo man bei der Post zwischen zwei Telefonen wählen konnte – eines in Grau und das andere in Schwarz, die Funktion mit der Drehscheibe war bei beiden gleich. Vielleicht sollten entscheidungsmüde Menschen mal wieder auf eine traditionelle Methode wie „Ene mene mu“ zurückgreifen, „Schere, Stein, Papier“ spielen oder Streichhölzer ziehen. Oder man wirft eine Münze und überlegt noch während sie fliegt, über welches Ergebnis man sich freuen würde und wann man enttäuscht ist. Der Bauch hat nämlich meist schon entschieden, bevor der Kopf überhaupt angefangen hat nachzudenken.

Wünsche euch einen schönen Sonntag!