5 Tips für mehr Vertrauen

Vertrauen gewinnen

Eine der weisesten Aussagen ist wohl „Vertrauen muss man gewinnen, man kann es weder erzwingen, noch erkaufen“.

Gerade in der Reiter- Pferd Beziehung ist Vertrauen das Fundament. Ich weiss nicht wie viele unzählige Pferdebücher und Blog Beiträge ich zu diesem Thema gelesen habe, wie oft ich andere Reiter beobachtet habe und mich dann intensiv selbst damit beschäftigt habe. Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel gelernt. Vieles davon bewusst, noch mehr allerdings unbewusst. All die Tips die ich in Büchern und im Internet gefunden habe waren interessant und lehrreich, jedoch waren nicht alle davon passend für mich und unsere Pferde.

Aufgrund meines späten Einstiegs in die Reiterwelt und meines fortgeschrittenen Alters habe ich sicher andere Ansprüche und Ziele, jedoch ist eine Vertrauensbasis der Anfang von Allem. Deshalb habe ich hier meine Erfahrungen in 5 Tips zusammen gefasst die ich gerne weitergeben möchte.

Meine 5 Tips um das Vertrauen Deines Pferdes zu gewinnen:

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1. Sei selbstbewusst und konsequent und strahle das aus – Pferde haben eine sehr feine Sensorik und achten stets auf unsere Körperhaltung- und Spannung. Das ist ihre Art zu kommunizieren. Uns Menschen ist oftmals nicht bewusst, dass unsere Haltung für die Kommunikation mit dem Pferd entscheidend ist und nicht unsere Sprache. Bevor ich mit dem Reiten angefangen habe, war ich mir meiner Körperhaltung nie bewusst. Seit meine Reitlehrerin mir in einer Bodenarbeitsstunde nicht nur erklärt, sondern gezeigt hat, wie entscheidend diese ist, versuche ich daran zu arbeiten. Ich war beeindruckt welchen Unterschied es für ein Pferd macht, wo und wie ich stehe und gehe. Wie wichtig es ist, den nötigen Abstand einzufordern und klare Signale zu geben. Genauso wichtig ist es konsequent zu sein. Nicht ein bisschen oder manchmal, sondern zuverlässig. Das Pferd heute für etwas zu bestrafen, das es gestern noch durfte ist nicht fair und auch nicht vertrauenswürdig. Unter Menschen wünschen wir uns auch eine klare Linie, wissen woran man ist und auf was man sich verlassen kann. Pferde können nicht verstehen wenn wir tagesformabhängig handeln, dessen müssen wir uns bewusst sein.

 

2. Nicht ungerecht sein – ich glaube der häufigste Grund warum Reiter und Pferd nicht zusammen finden ist, dass so wenig Menschen die Fehler bei sich selbst suchen. Das Pferd ist zu stur, zu unbeweglich, zu ängstlich, zu bockig. All das hört man immer wieder, selten aber die Frage – mein Pferd ist bockig – was mache ich falsch? Ich will nicht urteilen, denn den gleichen Fehler haben wir bei unseren beiden Pferden auf unterschiedliche Art und Weise gemacht. Anstatt gleich zu hinterfragen warum Rosii nicht zu uns kommen will, sondern davon läuft, wenn wir sie holen wollen waren wir frustriert und haben bei ihr nach Gründen gesucht. Ebenso bei Una, warum war sie so ängstlich? Anstatt die Frage zu stellen, warum können wir ihr keine Sicherheit geben? Auch beim Reiten neigen die meisten Reiter dazu die Schuld beim Pferd zu suchen wenn bestimmte Lektionen nicht funktionieren, im schlimmsten Fall muss das Pferd den Frust darüber auch noch aushalten. Dass man selbst vielleicht heute nicht in Form ist und die falschen Hilfen gibt, ist oftmals der letzte Gedanke bei der Ursachenforschung. Also am Besten immer hinterfragen, was man selber dazu beiträgt wenn etwas nicht funktioniert und nicht die Schuld beim Pferd suchen.

 

3. Verbringe Zeit mit Deinem Pferd – nein, nicht nur beim Reiten. Zeit in der die Beziehung zu Deinem Pferd anderweitig gestärkt werden kann. Einfach mal Zeit nehmen und das Pferd ausgiebig putzen. Dabei kann man sein Pferd richtig gut kennenlernen. Ist es irgendwo verspannt, kitzelig. Gibt es Stellen wo es besonders gerne massiert wird? Wie fühlen sich die Pferdebeine und der Rücken an? All das zu wissen, kann unglaublich wichtig sein, wenn das Pferd mal krank wird. Ich nehme mir beim Putzen immer sehr viel Zeit und beobachte Rosii’s Mimik genau, es gibt Stellen an denen sie deutlich anzeigt wenn sie an Verspannungen leidet, es gibt aber auch Stellen die sie mir regelrecht entgegenstreckt um dort massiert zu werden. Man möchte für sein Pferd nicht nur Reiter, sondern doch auch Freund sein. Und Fellpflege machen Pferde nicht mit jedem. Während der langen Krankenzeit von Rosii mussten wir ausserdem umdenken, wie können wir sie beschäftigen und schonend bewegen ohne zu reiten? Spaziergänge, Bodenarbeit und leichte zirzensische Lektionen für den Kopf haben in dieser Zeit für Abwechslung gesorgt und unsere Beziehung enorm gestärkt. Man kann auch mit wenig viel erreichen. Gehorsamsübungen in der Freiarbeit oder ein kleiner Parcours für Gelassenheitstraining.  Vom Boden aus wird man viel aufmerksamer und lernt das Pferd zu lesen. Ähnlich ist es mit Una, Frei- und Bodenarbeit haben das Vertrauen richtig wachsen lassen. Wenn sie heute bei einem Ausritt Angst bekommt läuft sie nicht mehr kopflos davon, sondern wartet auf die Reaktion vom Mensch. In ganz heiklen Situationen steigt meine Tochter einfach ab und versucht ihr vom Boden aus die nötige Sicherheit zu geben.

 

4. Lass das Pferd Pferd sein – die wohl größte menschliche Unart ist alle Tiere vermenschlichen zu wollen. Man geht davon aus, dass Pferde denken, handeln und fühlen wie wir. Aber weit gefehlt. Pferde sind sensible und sehr soziale Lebewesen die ihre eigenen Bedürfnisse und Prioritäten haben. Ein Leben im Herdenverband und in Freiheit, das wäre wohl der größte Wunsch eines jeden Pferdes. Leider können sie uns das nicht mitteilen – aber wir haben eigentlich genug Wissen, über diese wunderbaren Tiere um ihnen dieses Leben zu schenken. In unserem Umfeld gibt es viele Haltungsformen die als Pferdegerecht bezeichnet werden. In Wahrheit sind die meisten davon aber meist nur ein guter Kompromiss. Als wir damals die Diagnose Cushing und Hufrehe bei Rosii bekamen war unsere größte Angst, sie isoliert in einer Box halten zu müssen. Für ein Pferd das am liebsten 24 Stunden bei Wind und Wetter draußen verbringen möchte, die größte Qual. So war es für uns eine große Herausforderung einen Stall für sie zu finden in der sie täglichen Koppelgang oder Offenstall mit Artgenossen haben kann, ohne auf die Wiese zu kommen. Da wir Gras meiden mussten gab es bei uns in der Gegend kaum Möglichkeiten, die meisten Ställe haben im Sommer 24 Stunden Weidehaltung. Aber wir hatten Glück und sind dadurch an unseren heutigen Traumstall gekommen. Die natürlichen Bedürfnisse der Pferde zu kennen und zu akzeptieren ist oft für uns Menschen nicht ganz einfach. Die Pferde stehen draussen im Regen, es möchte aber trotzdem nicht an den Zaun kommen. Vielleicht döst es einfach lieber mit den Artgenossen, ein solches Verhalten darf man nicht übel nehmen. Dafür darf man sich umso mehr freuen, wenn das Pferd irgendwann freudig an den Zaun kommt um einen zu begrüssen. Auch mit Decken und Futter ist es so eine Sache. Wenn wir frieren sind die meisten Pferde mit der Temperatur absolut zufrieden. Pferde haben eine sehr guten Temperaturausgleich und tun sich leichter mit Kälte als mit Hitze. Wir haben zwei Robustpferde, eingedeckt wird nur an Regentagen, wenn draussen kein Unterstand vorhanden ist oder wenn eines der Pferde krank wird. Ich muss auch zugeben, an Weihnachten oder zum Geburtstag gebe ich gerne eine extra Möhre oder ein Leckerli – sie verstehen zwar den Hintergrund nicht und verschlingen ihr Festmahl wie an jedem anderen Tag. Aber ich freue mich ihnen auch ein Geschenk machen zu können.

 

5. Geduldig sein – Vertrauen kommt nicht über Nacht, im Gegenteil, je nach Charakter oder Vorgeschichte des Pferdes, kann es lange dauern bis sie einem wirklich vertrauen. Bei Rosii dauerte es fast 2 Jahre. Sie ist der perfekte Lehrmeister, auch heute noch. Wenn ich eine Übung ungeduldig mit ihr starte und es nicht klappt straft sie das meistens ganz schnell mit Desinteresse. Es ist auch sehr interessant zu sehen, wie sie auf andere Menschen reagiert. Sie gehört definitiv nicht zu den aufgeschlossenen Pferden, sie ist sehr zurück haltend und eher scheu. Nur bei Kindern macht sie eine Ausnahme. Kommt ein fremder Menschen an den Zaun lässt sie den Artgenossen den Vortritt und schaut sich erst alles genau an bevor sie herantritt. Anders bei uns. Wenn ich abends an den Stall komme wartet sie meist schon an der Boxentür und wiehert wenn sie mich sieht. Das ist Balsam für meine Seele. Es gab Phasen, da hatte ich schon aufgegeben, dass sie jemals auf mich zukommen würde. Heute kann ich sie sogar von der Weide holen, selten, aber manchmal kommt sie mir entgegen. Und das obwohl sie im Gegensatz zu anderen Pferden nur stundenweise auf die Wiese darf. Sich ein Pferd zu kaufen und anzunehmen, dass es sich genauso freut wie man selbst, ist einfach naiv. Das weiss ich heute. Das Pferd weiss weder mit wem es zu tun hat, noch was für Absichten der neue Mensch hegt. Es wird einfach aus der gewohnten Umgebung gerissen und soll ein neues Leben beginnen. Hier ist die menschliche Denkweise manchmal wirklich etwas eigenartig. Dabei könnte ich nicht ausschließen, noch mal in so eine Situation zu kommen. Einfach weil wir oft ungeduldig sind und die Regeln vorgeben wollen.