Telefoniert man eigentlich noch?

Ist telefonieren out?

Vor Kurzem habe ich einen interessanten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gelesen. Es ging darum, wozu man eigentlich noch einen Festnetz Anschluss braucht und wer überhaupt das Telefon noch zur Kommunikation nutzt. Laut dem Artikel brauchen junge Menschen kaum noch einen Festnetzanschluss und telefonieren, wenn überhaupt, von dort aus mit den Eltern und Großeltern.

Auch wenn ich hier aufgrund meines Alters, nicht direkt angesprochen wurde, habe ich den Artikel gelesen. Ich frage mich schon seit längerem wozu ich noch einen Festnetzanschluss habe. In Zeiten von Smartphones hat das Telefon ausgedient. Privat telefoniere ich kaum noch, und auch beruflich ist die Kommunikation heute mehr auf den E-Mail Verkehr fixiert. Dabei gibt es so viele Dinge die mit einem kurzem Anruf schneller und einfacher geklärt werden könnten. Sprechen wir einfach ungern?

Vielleicht ist es das, vielleicht aber auch weil es selten gerade „passt“ wenn jemand anruft. Man ist beschäftigt, möchte gerade los, oder ist einfach nicht in der Stimmung zu reden. Privat geht es mir sehr oft so. Lieber eine Whatsapp bekommen und schreiben – da kann ich selbst entscheiden wann und wie ich antworte. Auf der anderen Seite gibt es gerade beim „mailen“ viele Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Eine zu knappe Antwort per Whatsapp, wird von meiner Tochter meist so ausgelegt, dass ich schlechter Laune bin. Ich hatte aber einfach keine Zeit oder Lust einen langen Text zu tippen. Wir sehen uns ja später, denke ich mir. Auch die Unverbindlichkeit ist gewachsen. Man hat etwas ausgemacht und doch keine Lust – schnell ist eine Mail verfasst um das Treffen kurzfristig abzusagen. Das wäre früher undenkbar gewesen. Man hätte den Mut aufbringen müssen am Telefon abzusagen, und eventuell unangenehmen Fragen beantworten müssen. Ganz zu schweigen von der Zeit, bevor es Mobiltelefone gab, hier konnte man die Person unter Umständen nicht mehr erreichen und musste sich dann doch überwinden das Treffen einzuhalten. So hat alles Vor- und Nachteile.

Ich liebe mein Iphone, mit all seinen Funktionen und auch die neuen Kommunikationswege. Es ist einfach und unkompliziert, ermöglicht mir überall arbeiten zu können, und gibt mir aber auch eine gewisse Sicherheit wenn ich zum Beispiel alleine mit dem Pferd unterwegs bin. Wenn ich darüber nachdenke, wie ich am häufigsten und liebsten kommuniziere ist das sicher Whatsapp. Fast alle meine Freunde nutzen die App, die Gruppen sind sehr unterhaltsam und informativ. An manchen Tagen wird hier schon fast zu viel kommuniziert. Die einzige Person, mit der ich noch wirklich gerne, viel und wenn dann lange telefoniere, ist eine Freundin, die vor Jahren nach Portugal ausgewandert ist. Auch wir kommunizieren meist per Whatsapp, jedoch einmal im Monat steht ein Telefon-Date auf dem Programm, diese Gespräche können dann auch mal bis zu 2 Stunden dauern. Man hat sich einfach viel zu erzählen.

Wenn meine Tochter auf Reisen ist nutzen wir meist Facetime. Das ist sehr praktisch, denn dabei können wir uns auch noch sehen. Ein „Muss“ wäre der Telefonanschluss also nicht mehr, ich fühle mich aber noch nicht bereit ihn zu kündigen. Vielleicht ist es albern, aber es gibt mir einfach das Gefühl Zuhause besser erreichbar zu sein.

Jetzt klingelt doch wirklich gerade das Telefon – unser Hund hat einen kleinen Ausflug gemacht und soll bei einer Nachbarin abgeholt werden. Da sieht man es, so schlecht ist der Festnetzanschluss nicht, im Telefonbuch können einen so auch andere Menschen finden.