Altes Kochbuch

Gefunden!

Beim Störbern auf dem Dachboden habe ich verschiedene alte Kochbücher meiner Mutter gefunden. Das eine, erschienen im Mai 1952, mit losen, fast unleserlichen Zetteln, verblichen und fleckig, vermutlich zusätzliche alte Rezepte. Ein Buch mit Gebrauchsspuren und handschriftlichen Notizen zeigen, dass die Rezepte mehr als nur einmal zubereitet wurden.  Willkommen zu einer Zeitreise in die kulinarische Welt der 50er.

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Das Buch, mit mehr als 500 Seiten, unterstützt Anfänger bei ihren erste Kochversuche, alle Rezepte einfach und simpel erklärt, Grundrezepte für Gemüse, Fleisch und Fisch, teilweise mit Bilder in schwarz-weiss. Aber auch Diätrezepte für „Fettsüchtige“ und „Magerkranke“. Ein grosses Thema im Buch „was beim Backen zu beachten ist“, von Torten, Weihnachtsgebäck, Mürbe- oder Hefeteig aber auch Brot und Brötchen für jeden Tag, wird genau und ausführlich beschrieben. Schließlich wurden Kuchen und Gebäck gerne gegessen und fertig eingeschweisste Backwaren vom Supermarkt gab es noch nicht. Mama wusste immer, was der Familie schmeckt und ich erinnere mich noch an die Sonntag-Nachmittage mit selbstgebackenen Kuchen oder Gebäck.

Es wird erklärt wie man Geflügel rupft, wie man Butterwürfel schneidet, wie man „umrührt“ und abbrennt.

In jener Zeit benötigte man anscheinend noch eine detaillierte Erklärung bei der Bedienung eines Elektroherdes. Auch dieses Thema wird ausführlich erklärt, aber auch wie Kaffee in der Kanne aufgebrüht und in der elektrische Kaffeemaschine zubereitet wird.

Viele Gerichte kennt man heute noch, aber man hat vergessen was damals auf den Tisch kam und wie mit einfachen Mitteln gekocht wurde. Ob nun „Saure Nieren“, Kalbslüngerl mit Semmelknödel, beliebt war Dünst- und Schmorfleisch. Oder Dampfnudel, Semmelschmarrn oder Milchsuppe mit Schwarzbrot.

Es gab noch keine Smoothies, sondern erfrischende Getränke mit oder ohne Milch. ein billiges Vanilleeis – hergestellt aus Kartoffelmehl, die Eisbombe oder das brennende Eis. Es gab auch noch keine Sandwich, sondern das „illustrierte Butterbrot“ wie die Jägerschnitte, Appetitschnitte oder das Diplomatenbrötchen. Hier wird beschrieben wie man aus Resten, das Abendbrot abwechslungsreich und lecker zubereitet, aber auch zur Plauderstunde, zur Bowle oder geselligen Runde.

Auch Kinder kommen im Buch nicht zu kurz, von der Stillzeit, vom Baby bis hin zu den Schulkindern werden Ernährungsvorschläge vom Frühstück bis zum Abendessen beschrieben. Von Überfütterung (steht so im Buch) Eiweissbedarf und Fettbedarf – alles Themen die genau und ausführlich beschrieben werden.

Die Würzpalette war schmal, Salz, Pfeffer, Zimt, Muskat, Kapern und Zitronensaft, ohne Sossenbinder und Geschmacksverstärker, jedoch für heutige Verhältnisse mit sehr viel Eier und noch mehr Zucker.

Eine Hausfrau muss sich immer zu helfen wissen! So ein Kapitel der kleinen Missgeschickte, die vor allem den Anfängern passieren.  Was zu tun ist, wenn Salzkartoffel kalt geworden sind, die Tunke klumpig ist oder wenn Würste schimmeln.

Aber auch abseits von Gaumenfreuden werden Tipps wie „Wie und wo bewahre ich meine Vorräte auf“, oder dem „Kampf der Haus- und Vorratsschädlingen“ beschrieben. Von Kakerlaken oder Fliegen habe ich schon gehört, aber Essigälchen und Speckkäfer sind mir völlig unbekannt. Es wird erklärt wie man Türen ölt, Sicherungen wechselt und undichte Gasleitungen überprüft. Das man die Suppe mit Löffel isst und das Hauptgericht mit Messer und Gabel, wie der Tisch abgeräumt wird und das zu viel Alkohol den schönsten Abend sprengt.

Die Rezepte sind zum Teil nicht mehr zeitgemäss, werden aber wieder im Buch stöbern und vielleicht findet sich das eine oder andere Rezept – aus alten Tagen – was ich nach kochen werde,

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