Sonntagsfrühstück 15. Dezember

Sind Rituale nur Gewohnheiten?

Einen wunderschönen guten Morgen am 3. Advent

Ich bemerke immer öfter, dass ich festen Abläufe habe, die in meinen Alltag fest integriert sind. Morgens nach dem Aufstehen wird als Erstes die Kaffeemaschine eingeschalten, etwas zu Essen zubereitet und dann erst einmal für mindestens 30 Minuten gefrühstückt. Dabei lese ich auf meinem Handy die neuesten Nachrichten, checke die ersten Emails und sehe was sich auf Instagram und Pinterest über Nacht getan hat. Wenn ich verschlafe und statt meinen üblichen 30 Minuten Zeitdruck habe, ist meist der ganze Tag völlig im Eimer. Ich brauche meine Morgen-Rituale um anständig in den Tag zu starten. Ebenso verhält es sich am Abend. Ich fahre fast jeden Tag zum Stall, putze und bewege Una. Danach wird gegessen und anschließend ein entspannendes, warmes Bad genommen.

Sind das Rituale, oder nur „meine“ Rituale?

Ich denke, wir wachsen bereits mit Ritualen auf, die wir von unseren Eltern oder der Gesellschaft lernen. Los geht es meist mit Ritualen wie der „Gute- Nacht-Geschichte, die man als Kind vor dem Einschlafen unbedingt vorgelesen bekommen möchte. Auch Feierlichkeiten wie Ostern, Geburtstage und natürlich Weihnachen bringen ganz bestimmte Rituale mit sich, die je nach Familie unterschiedlich ausfallen, jedoch einen festen Platz in unserem Leben einnehmen. Es gibt geliebte und ungeliebte Rituale. Aber ich glaube sie sind fest in unserem Leben verankert. Bei mir auf jeden Fall. Jedoch muss ich sagen, dass sich in den letzten Jahren sehr viel geändert hat. Seit die Pferde in unser Leben getreten und wir an den jetzigen Stall gezogen sind, sind viele Rituale dazugekommen, andere sind weggefallen. Ein festes Ritual ist sicherlich unser Stallstammtisch der jeden Donnerstag stattfindet. Hier werden erst die Pferde geritten und versorgt, anschließend sitzen die Reiter bis spät in den Abend gesellig zusammen. Und das jede Woche, im Sommer als auch im Winter. Ohne lange Verabredungen, es ist einfach ein fixes Ritual.

Somit sind Rituale für mich auf jeden Fall etwas das ich regelmäßig wiederhole. Ich weiss nicht wie es euch geht, aber mir geben diese ein gewisses Gefühl von Ordnung und Sicherheit. Deshalb werde ich auch meist nervös, wenn etwas nicht den gewohnten Gang geht. Rituale und feste Gewohnheiten gehen demnach irgendwie fließend ineinander über. Kennt ihr die lustigen Weihnachtsfilme in denen immer irgendwelche ungeplanten Katastrophen passieren? Das verdeutlicht eigentlich auf übertriebene Art wie sehr die Menschen an ihren Ritualen hängen. Am Weihnachtsabend wird um 18.00 Uhr gegessen, die ganzen Familie sitzt an einem Tisch und danach findet pünktlich um 19.30 Uhr die Bescherung  statt. In wie vielen Fällen läuft es genau nach Plan? Ohne Stress und dass vielleicht jemand verärgert ist? Ich denke ganz selten.

Rituale sind auch immer mit der Gefahr behaftet, dass sie uns zu unflexibel machen. Dabei geben sie nur die Richtung vor, sind aber keine Regeln. Wir mussten in den letzten Jahren viele unserer Rituale anpassen. Als meine verstorbene Mutter ein Pflegefall wurde, haben wir den kompletten Weihnachtsabend für sie umgestellt und es war trotzdem schön. Anfangs etwas eigenartig, aber deshalb nicht weniger weihnachtlich. Im letzten Jahr haben meine Tochter und ich zum ersten Mal den Weihnachtsabend zu zweit verbracht. Es war sehr komisch aber trotzdem haben wir das Beste daraus gemacht. Auf unsere Art. Ein schöner Mutter-Tochter Abend ohne Stress oder dem Druck Weihnachten „gerecht“ werden zu müssen, denn es ist unser Weihnachten. Und so werden wir es auch in diesem Jahr halten.

Jedoch gibt es auch Weihnachtsrituale die ich auch mit meinen 64 Jahren nicht missen möchte. Dazu gehört die Adventszeit. Ich liebe die Adventsdeko und kann es ab November kaum noch erwarten endlich die Weihnachtskiste aus dem Keller holen zu dürfen. Dann wird es richtig weihnachtlich bei uns Zuhause. Dazu gehört natürlich traditionell der Adventskranz, den ich immer selber mache. Aber auch auf einen Adventskalender möchte ich nicht verzichten, am Liebsten mit besonderen Pralinen, damit ich mich jeden Tag neugierig darauf freuen kann.

Ja, Rituale begleiten uns, jeden Tag, jedes Jahr, das ganze Leben. Vielleicht habe ich mal die Muße und Zeit alle meine Gewohnheiten und Rituale niederzuschreiben. Jetzt wo ich so intensiv darüber nachdenke sind es sicherlich mehr als 100 die mir spontan einfallen würden. Was sind eure Rituale? Gibt es etwas das ihr wirklich täglich macht und braucht um glücklich zu sein?

Ich wünsche euch einen schönen dritten Adventssonntag und hoffe ihr könnt eure Rituale und Gewohnheiten an diesem Sonntag ausleben und genießen.