Wie man unschwer an den Bildern erkennen kann, war ich gestern nicht bei meiner Floristin – sondern auf dem Blumenfeld. Draußen wird es nun kühler, es herbstelt und die Gartensaison neigt sich langsam dem Ende. Meist bis Oktober kann man auf dem Blumenfeld, zu jeder Tageszeit und auch am Wochenende Blumen selbst pflücken. An einigen Straßenrändern sieht man schon von weitem – „Blumen zum selber schneiden“ und ich liebe diese Felder. Selbst pflücken oder schneiden, was in die Vase kommt und dabei muss man seinen eigenen Garten nicht plündern. Leuchtende Sonnenblumen, farbenfrohe Dahlien und Zinnien, direkt am Straßenrand und dabei noch deutlich günstiger als im Blumenladen oder Supermarkt. Dann heißt es – warum denn nur auf eine Farbe beschränken, wenn man die ganze Farbpalette zur Auswahl hat. Ein bunter Blumenstrauß passt und sieht einfach klasse aus.
Schon öfter habe ich mich gefragt, ob sich Blumenfelder lohnen und die Kunden immer ehrlich sind. Blumen, Kürbis oder Erdbeeren – am Straßenrand kann man so einiges kaufen und es hat einen besonderen Charme. Der Kunde muss selbst aktiv werden und Obst oder Blumen eigenhändig pflücken (natürlich ausser den Kürbis), anschließend ausrechnen was zu bezahlen ist und das Geld in eine Kasse werfen. Einen Verkäufer gibt es nicht, jedenfalls nicht vor Ort. Meist sind es Landwirte die solche Felder im Nebenerwerb betreiben und sie vertrauen auf die Ehrlichkeit ihrer Kunden.
Zufällig war der Betreiber dieses Feldes gerade anwesend und ich habe mich kurz mit ihm unterhalten. Er hat drei große Blumenfelder, Erdbeerfelder und verkauft zusätzlich im Herbst Kürbis am Straßenrand. Besonders dreist findet er, wenn sich Wiederverkäufer gleich im großen Stil das Blumenfeld leer räumen und sich dann ohne Bezahlen aus dem Staub machen. Hinzu kommt, dass Diebe die oft schlecht gefüllte Kasse auch noch plündern. Ein Grund warum er sich schon öfters gefragt hat, warum er sich diese Arbeit macht. Auch das Wetter macht ihm oft Kopfzerbrechen, bei dem vielen Regen war die Erdbeer-Ernte geringer als sonst. Doch durch das schöne Wetter ab Ende Juli legten die Sonnenblumen zwei Wochen früher mit der Blüte los als sonst. Die Blumen machen viel Mühe, meinte er, es muss gesät, gehackt und Unkraut gejätet werden.
Dennoch er und seine Frau lieben diese Arbeit mit den Blumen, doch die Zahlungsmoral wird immer schlechter. Manche pflücken Blumen und gehen dann achtlos an der Kasse vorbei oder werfen einen alten Kassenzettel ein, damit es so aussieht, als ob sie bezahlen würden. Doch es gibt auch ehrliche Leute, die nicht nur das Geld einwerfen, sondern auch einen Zettel mit einem Dankeschön für die schönen Blumen. Wenn es sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt , dann geben wir die Felder auf – meinte der Landwirt zum Abschied. Wäre doch jammerschade, wenn es die Blumenfelder nicht mehr gibt.