Einen wunderschönen guten Morgen!
Meine Großmutter nannte die Vorweihnachtszeit die „staade Zeit“ und bedeutet wörtlich „stille Zeit“. Es ist ein bayrischer Ausdruck für die Advents – und Weihnachtszeit, eine Zeit der Vorbereitung und Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Man hat Kerzen angezündet, im Ofen knisterte das Holz und strahle eine wohlige Wärme aus. Das Haus duftete nach frisch gebackenen Plätzchen, Stollen oder Omas Bratäpfel mit Vanillesauce und dann kam der feierliche Höhepunkt – der Heilige Abend.
Und heute? Schon im November hetzen wir durch die Läden, auf den Straßen ist noch mehr Betrieb als sonst – überall herrscht Hektik. Die Weihnachtsmärkte sind voll und es heißt Schlange stehen vor dem Glühwein Stand, wenn man nicht schon bei der Parkplatzsuche genervt aufgegeben hat. Gefühlt beginnt die Adventszeit schon viel früher. Der Handel beginnt schon früh mit dem Verkauf von Weihnachtsartikel und spätestens im September erinnern uns die Regale der Supermarkt Ketten, dass uns „etwas“ bevorsteht. Während viele den Herbst noch genießen, stellt sich der Einzelhandel bereits auf Weihnachten ein. Die meisten von uns fühlen sich in der Adventszeit noch gestresster als im restlichen Jahr und der Wunsch nach Besinnlichkeit bleibt unerfüllt. Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen die „staade Zeit“ wieder mehr zu genießen und nicht mehr sagen – ich muss – sondern ich darf. Ich darf meine Wohnung weihnachtlich dekorieren, ich darf Geschenke kaufen und verpacken, ich darf basteln und den Weihnachtsbaum schmücken. Ich denke, mit diesem einfachen Ritual holt man sich die Freude an der Adventszeit zurück und verfällt nicht in den Stress. Ein Versuch ist es allemal wert.
Heutzutage hat sich die „staade Zeit“ verschoben auf die Tage zwischen Weihnachten und Hl. Drei Könige. Viele haben Urlaub, die Stadt fährt runter, man bekommt keine E-Mails und die Post reduziert sich schlagartig. Viele ergreifen die Chance, die Tage für sich zu nutzen, Freunde zu treffen, ausgiebig Spazierengehen oder ein Buch zu lesen. Diese neue staade Zeit ist für viele sehr kostbar. Ich liebe die Adventszeit aber auch die ruhige Zeit nach Weihnachten und zwischen den Jahren.
Um die „staade Zeit“ einzuleuchten muss als allererstes der Adventskranz stehen, begleitet er uns doch durch die gesamte Adventszeit. Ein wenig ungewöhnlich – bei Sonnenschein und Temperaturen um die 18 Grad habe ich dieses Jahr meinen Kranz auf der Terrasse gebunden, dieses Jahr wieder klassisch aus grüner Tanne, Eukalyptus und Koniferen mit roten Kerzen. In der Mitte des Kranzes liegt ein Bündel Zweige, die ich mit Zapfen, roten Kugeln und Holzsternen beklebt habe. Der 1. Advent kann kommen! Nach den ungewöhnlich warmen Tagen hatten wir einen Temperatursturz und seit Donnerstag sogar Neuschnee und klirrende Kälte.
Wünsche euch einen schönen Sonntag!


