Sonntagsfrühstück, 26.April

Einen wunderschönen guten Morgen!

Früher war alles besser? Ein Satz den man sehr häufig hört und der bei unserem letzten Stammtisch ausführlich diskutiert wurde.

Ein Sommer war ein Sommer und im Winter lang monatelang Schnee? Die Kinder waren gut erzogen und wussten wie man sich benehmen musste. Ich denke, es gab schon immer verregnete Sommer und milde Winter – auch früher. Und die Kinder? Ja, die Kinder waren anders, wir waren anders – weil die Zeit eine andere war. Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten einfach geändert. Mal zum Guten, mal zum Schlechteren. Unsere Generation wuchs ohne Internet auf, die Generation meiner Tochter anfangs ebenso. Ich kann mich gut erinnern, dass in der Anfangszeit von PC und World Wide Web alle darauf wetteten, dass diese Technologie wieder im Erdboden versinken wird. Wer braucht denn einen PC, fragte man sich damals?

Wir haben als Kinder draußen gespielt, stundenlang, bei jedem Wetter. Einen Ball, ein paar Murmeln, ein Gummiband für Gummitwist oder Straßenkreide für Himmel und Hölle. Frei und unbekümmert rannten wir über Felder und Wiesen, konnten uns überall entfalten. Meine Tochter hatte ab ihrem 6. Lebensjahr nur Pferde im Kopf, war nach der Schule auf dem Pferdehof und hatte nie Interesse den Fernseher einzuschalten. Wenn, dann nur um sich einen Pferdefilm anzusehen. Bei unserem Stammtisch klagte eine Freundin, dass ihr Enkel den ganzen Tag vor seinem Computer sitzt oder mit dem Handy spielt, kaum einen Sonnenstrahl sieht, so gut wie nie im Garten oder mit Freunden spielt. Sie ging sogar so weit, dass sie meinte – irgendwas stimmt nicht mit ihm. Und das mit 14 Jahren! Als Kind wurde er mit Spielsachen überhäuft, das nach kurzer Begeisterung unbeachtet in die Ecke flog. Das Erste was die Runde fragte: Konsum statt Liebe? Doch darauf haben wir keine Antwort erhalten.

Ich denke, dass die Erziehung von Kindern heute nicht mehr so streng wie früher ist. Dafür behüten Eltern ihre Kinder viel mehr, wollen ständig wissen, was sie gerade machen und wo sie sind. Mit dem Handy ein leichtes Spiel. Kinder werden heute zur Grundschule gebracht und abgeholt, da die Eltern Angst haben, dass den Kindern etwas passiert oder sie sich alleine nicht zurechtfinden. Jedoch lernen Kinder nicht, selbständig zu werden. Wer jedoch die Presse verfolgt, versteht, warum Eltern heute so vorsichtig sind. Bei uns im Dorf herrscht morgens und mittags Stau vor der Schule. Obwohl die Region Schulbusse anbietet, werden die Kinder von Mami oder Papi zur Schule gebracht. Ich durfte oder musste bereits mit 8 Jahren mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Doch damals gab es kaum Autos auf dem Schulweg und an der Kreuzung standen Schülerlotsen. Was in den 60er, 70er und auch in den 80er Jahren normal war wie etwa der Klaps auf den Hintern oder ein rauer Ton ist zum Glück verschwunden. Heute verpacken Eltern ihre Kinder in Watte. Ich bin gegen Gewalt in jeder Form, doch Kinder dürfen ihren Eltern nicht auf der Nase tanzen.

Gestern beim Dorfwirt saß eine Familie mit drei ungezogenen, schreienden Kindern und eine Unterhaltung war nicht möglich, was aber die Eltern nicht störte. Auf die Bank rauf und runter, in der Gaststube schreiend herumlaufen als wären sie auf dem Spielplatz. Und die Eltern: „Aus dem Auge, aus dem Sinne“ das finde ich schon sehr mühsam. Die Bedienung hat uns angeboten in den Nebenraum zu ziehen, was wir dankbar annahmen. Nun konnten wir die Kinder zwar nicht mehr sehen, doch hören konnte man sie immer noch. Da kann ich nur sagen – ein Hoch auf meine Eltern, die damals absolut erstklassige Arbeit in der Erziehung leisteten. Bedingungslose Liebe – doch Strenge wann nötig.

Wünsche euch einen schönen Sonntag!