Nicht zu schenken ist manchmal schwieriger, als etwas zu schenken. Kann man zu einer Einladung wirklich mit leeren Händen kommen, wenn der Gastgeber ausdrücklich darum bittet? Im ersten Augenblick klingt das Ganze echt praktisch – fühlt sich jedoch etwas seltsam an. Ich denke grundsätzlich sollte der Wunsch des Gastgebers auf jeden Fall respektiert werden. Wenn kein Geschenkt gewünscht wird, sollte man sich daran halten.
Vor ein paar Tagen war ich bei einer Freundin zum 70. Geburtstag eingeladen und sie hat sich ausdrücklich nichts gewünscht. Für die Einladung habe ich mich mit einer selbstgebastelten Karte bedankt und um 2 Uhr morgens gerne geholfen nach dem Fest das Haus wieder aufzuräumen. Wer nicht mit leeren Händen kommen möchte, sind auch leckere, selbstgemachte Marmeladen oder Pralinen gerne gesehen. Was man aber immer mitbringen sollte, ist gute Laune und die Bereitschaft ein guter Gast zu sein.

Meine Freundin Manu lebt nun seit fast 20 Jahren mit ihrer Familie in Portugal. Wir haben regelmäßig Kontakt, wöchentlich per WhatsApp und meist einmal pro Monat am Telefon, was dann schon mal über 2 Stunden dauert. Zum Geburtstag und Weihnachten haben wir uns immer beschenkt, doch letztes Jahr kurz vor dem Fest wurde einstimmig beschlossen – wir schenken uns nichts mehr. Nicht aus Geldgründen, sondern einfach um Stress zu vermeiden und weil jeder schon alles hat. Grundsätzlich schenke gerne, mache mir Gedanken darüber was den anderen freuen könnte. Dazu hatte ich eine riesengroße Freude das Geschenk hübsch zu verpacken, doch je älter ich werde, umso schwerer war die Überlegung, worüber würde sie sich freuen. Doch echte Freundschaft braucht keine Geschenke, Freundschaft beruht auf Vertrauen, Ehrlichkeit und gemeinsamer Zeit (auch wenn es nur ein Anruf ist).