Wiedereinstieg?

Traue ich mich wieder?

Nach meinem Reitunfall und der anschließenden Krankheit von Rosii musste ich Reittechnisch eine sehr lange Pause einlegen. Da es lange dauerte bis wir wussten ob Rosii jemals wieder geritten werden darf, habe ich das Thema für mich eigentlich abgehakt. Sie zu betütteln und spazieren zu gehen war meine neue Leidenschaft. Jedoch kam es wie immer anders, am neuen Stall blühten unsere Pferde richtig auf. Rosii erholte sich sehr gut und lief mit neuem Beschlag bald wieder taktrein. Meine Tochter war überglücklich. Jedoch kam dann bald die Frage wann ich wieder reite werde. Ich wüsste ja, dass sie alleine nicht täglich zwei Pferde bewegen könne…

Was tun? Ich hatte lange nicht mehr darüber nachgedacht ob ich mich überhaupt wieder in den Sattel trauen werde. Der Unfall ist nun lange her – die Erinnerung verblaßt aber trotzdem hat das Ganze einen komischen Beigeschmack bekommen.

Mit der tatkräftigen Unterstützung unserer neuen Reitlehrerin schaffte meine Tochter es dann aber doch mich zu Überzeugen. Die Erinnerung an die schönen Momente im Sattel und auch die Erfolgserlebnisse waren zuletzt stärker als die Angst.

Und so kam eines zum anderen…

An unserem neuen Stall haben wir den Luxus einer Reithalle. So ist man wetterunabhängig. Egal ob Starkregen, Eis und Schnee, Gewitter oder starker Sonnenschein, das Wetter gilt nicht als Ausrede. Auch fühle ich mich in der Halle beim Reitunterricht sehr sicher, durch die Begrenzung an allen vier Seiten werden die Pferde – und auch ich – weniger abgelenkt.

Da Rosii noch nicht voll belastbar war, durfte ich die Lusitano Stute Funny, der neuen Reitlehrerin für meinen Unterricht reiten. Funny war lange Jahre Schulpferd. Sie ist brav, konzentriert, und weiss genau wenn ein Anfänger auf ihrem Rücken sitzt. Mit der Besitzerin in der Mitte der Halle, eine zusätzliche Sicherheit. Nur Funny hat ein Stockmass von fast 1,60m, da sitzt man schon sehr weit oben 🙂 !

Zuerst wieder Longenstunden, Pferd und Reiter müssen ja zuerst zueinander finden, aber es gab keine Startschwierigkeiten und die Longe konnte nach der zweiten Stunde entfallen. Es machte richtig Spass, besonders die erfolgreichen Momente beim Leichttraben, was mir auf Funny Rücken leicht fiel, sie hatte weiche Gänge und war ein ideales „Lernpferd“. Ob sie nun auf meine Hilfen reagierte oder nicht, das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, den schließlich stand ihre Besitzerin in der Mitte der Halle. Aber egal – was klappt, das klappt. Auch die Reitlehrerin war Gold wert, nahm sich Zeit, beantwortet meine Fragen, hatte Geduld, gab mit den nötigen „Schubs“ und der Unterricht war vielseitig.

Besonders stolz konnte ich meiner Tochter nach einer Stunde berichten, dass ich mit Funny, eine der schwersten Lektionen, die Piaffe geritten bin. Natürlich nicht auf meine Hilfe hin, sondern Funny wollte mir zeigen was sie alles gelernt hat und zeigte mir stolz ihr Können.  Welcher Anfänger kann schon behaupten, Piaffe geritten zu sein!!!!!

Die Anspannung wich langsam und ich bekam immer mehr Sicherheit, der Spassfaktor  wurde immer größer. Nach jeder  Stunde hatte ich einen hochroten Kopf, mein Körper schmerzte, aber mein Grinsen wurde immer breiter. In den wöchentlichen Reitstunden konnte ich meinen Sitz verbessern, war nicht mehr verkrampft und freute mich schon Tage vorher, wenn am Samstag Reitstunde war.

Ist jetzt der Knoten geplatzt?