Vertrauen gewinnen

Teil 1 – Rosii

Vertrauen… oder eben nicht…

In Sachen Vertrauen habe ich in den letzten Jahren einiges dazu gelernt und möchte nicht missen diese Erfahrungen mit euch zu teilen, denn sie sind sehr wertvoll und haben auch andere Bereiche meines Lebens in meinem hohen Alter noch beeinflusst.

Mensch entschließt sich Pferd zu kaufen, Pferd war bisher eines unter vielen und bekam keine Sonderbehandlung. Mensch will das ändern und Pferd etwas Gutes tun. Mensch erwartet von Pferd Dankbarkeit und Vertrauen vom ersten Moment an. Mensch versteht nicht warum Pferd an neuem, wunderschönen Stall, nicht genauso freundlich ist als bei der Besichtigung. Mensch ist schnell frustriert. 

Das ist jetzt eine sehr überspitzte Kurzfassung von dem was viele unerfahrenen Pferdebesitzer durchleben, wenn sie sich ein Pferd kaufen. Ich kann und will mich da nicht ausnehmen und meiner Tochter (die reitet seit sie 6 Jahre alt ist) erging es auch nicht anders. Als wir vor 5 Jahren freudig am Stall auf unsere Islandstute Rosii warteten war in unseren Köpfen bereits eine klare Vorstellung vorhanden, wie alles ablaufen wird. Also natürlich Erwartungen, Vorfreude und eine riesige Portion Naivität.

Rosii durfte nach dem Aussteigen vom Hänger erst mal in ihre neue Box. Diese war für sie Grundgesäubert und frisch eingestreut. Zur Begrüßung erwartete sie zudem auch eine Portion Heu über die sie sich gleich hermachte. Wir standen eine geschlagene Stunde vor der Box und starrten sie neugierig an. Bis auf kurzes anschnuppern zeigte sie aber keinerlei Interesse an uns. Ab dem Tag, war meine Tochter nun täglich am Stall und wagte ein paar Tage später schon den ersten Reitversuch auf dem Platz. Rosii war von Anfang an sehr brav und ausgeglichen. Jedoch zeigte sie sehr auffällig was sie mag und was nicht. Am Kopf angefasst zu werden behagte ihr gar nicht und überhaupt machte sie nicht den Eindruck als hätte sie großes Interesse an mir oder meiner Tochter.

Wir investierten sehr viel Zeit in „Betüdelung“ und auch Leckerlis wurden reichlich gegeben um sie vielleicht doch davon zu überzeugen, dass wir sehr nett sind. Doch dann kam die Weidesaison und wir waren komplett abgemeldet. Im Nachhinein erzähle ich diese Geschichten immer wieder gerne, in der Zeit war es jedoch furchtbar. Man fährt zu Stall, versucht stundenlang sein Pferd einzufangen und fährt dann frustriert und erschöpft nach Hause. Anfangs versuchte meine Tochter ihre Reitzeit so zu verlegen, dass die Pferde abends wieder im Stall waren um dieser Prozedur zu entkommen. Irgendwann gelang aber auch dies nicht mehr, da die Pferde 24 Stunden draußen blieben. Dabei war es unkalkulierbar. An manchen Tagen lies Rosii sich problemlos auf der Weide abholen, an manchen Tagen kam sie uns sogar entgegen (eher selten) und an manchen Tagen schien es, dass sie großen Spaß hatte, uns über die großen hügeligen Weiden zu jagen. Auffallend war ausserdem, dass Rosii immer wirkte, als hätte sie alles im Griff. Bei Ausritten schritt sie souverän voraus, man fühlte sich wie ein Beifahrer. Keine schlechte Eigenschaft, denn gerade auf mich strahlte das eine unglaubliche Sicherheit aus. Hatte sie jedoch mal Angst vor etwas, war an ein vorbeikommen nicht zu denken. Sie vertraute einfach nicht. Meine Tochter war langsam fast ein bisschen frustriert. Man tut und mach, hat aber immer das Gefühl sie will eigentlich gar nicht bei mir sein, sie muss.

Nach einem Sommer mit vielen vergeblichen „Einfangversuchen“ freuten wir uns auf die Winterzeit, Koppelgang, ein begrenzter Platz und fixe Stallzeiten. Es kann nur besser werden. Aber stattdessen wurde es immer schwieriger. Rosii hatte bald rausgefunden, wie sie uns auch im Winter austricksen konnte. Hinter anderen Pferden verstecken, die sofort drohen wenn man ihnen zu nahe kommt, oder einfach immer wieder davon laufen, wenn man sich bis auf 1 Meter genähert hatte. Irgendwann verlegten wir dann auch am Wochenende die Reitzeiten auf den früher Morgen (bevor die Pferde raus durften) oder auf den Abend (wenn sie wieder in den Stall mussten). Es gab gute Tage aber auch sehr schlechte Tage. Was blieb und ist bis heute noch nicht ganz verschwunden ist ohne Erwartung an den Stall zu kommen. Wir wussten nie was uns erwartet.

Als ich vorhin am Stall war wieherte und blubberte mir Rosii schon beim Aussteigen aus dem Auto entgegen und schaute mich erwartungsvoll an. Wie wir es geschafft haben ihr Vertrauen zu gewinnen und daraus eine solide Partnerschaft zu machen verrate ich euch gerne in dem Beitrag, 5 Tips wie ihr das Vertrauen eures Pferdes gewinnen könnt.